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Fortschreitende Automatisierung in der Wäschereibranche

Die Produktivität einer Wäscherei hängt von unterbrechungsfreien Prozessflüssen und transparenten Warenströmen ab. Dank zunehmender Digitalisierung und konsequenter Datenverknüpfung wird der Durchlauf von Textilien immer weiter optimiert. Auf der Texcare International vom 24. bis 28. Oktober in Frankfurt am Main stehen daher Lösungen für die Automatisierung der Branche hoch im Kurs.

Die jederzeitige, genaue Erfassung von Menge, Qualität und Aufenthaltsort der in einem Betrieb umlaufenden Textilien ist in der Wäschereibranche das A und O. Die erhobenen Daten sind Grundlage für präzise Preiskalkulationen, decken Schwachstellen in der Produktion auf und dienen der Dokumentation gegenüber Dritten. Aber erst die Vernetzung aller an einem Textilservice-Prozess beteiligten Maschinen und Anlagen führt zu einer reibungslosen Wäschelogistik mit minimierten Maschinenstillstandzeiten, einer Reduzierung von Umlaufmengen und einer damit eng verbundenen Produktivitätssteigerung.

Transparenz für jedes einzelne Wäscheteil

In der Aufbereitung von Arbeitskleidung ist die Automatisierung bereits weit fortgeschritten. Bei der Schmutzwäschesortierung im Wareneingang wird die angelieferte Ware vereinzelt und über Identifikationssysteme wie Barcode- oder RFID-Technologie erfasst. Ab diesem Zeitpunkt sind die bearbeitungsrelevanten Prozesse der Textilien geregelt. Innerbetrieblich „Lese“-Stationen oder Tore (Gates) erlauben eine Verfolgung jedes Stücks durch den Betrieb bis zur Kommissionierung, sie erfassen die Zuführung eines Teils zu einem Reparaturplatz oder dessen Aussteuerung ins Lager. Darüber hinaus können hochfrequente Transponder (UHF-Tags) die Wäschebewegungen auch außerhalb einer Wäscherei kontrollieren: In Krankenhäusern installierte Identifikationssysteme erfassen die Aus- und Rückgabe von Bekleidung und ermöglichen über Datentransfer ein weitreichendes Textil-Management.

Frau steht vor einem Anmeldeterminal (Quelle: Messe Frankfurt/Jens Liebchen)

Roboter im Schmutzwäschebereich

Ungeachtet des hohen Automatisierungsgrads in einer Berufskleidungswäscherei ist dieser ausbaufähig. So kann der Einsatz von künstlicher Intelligenz die „schmutzige“ Arbeit im Wareneingang übernehmen: Roboter vereinzeln und sortieren die Kleidung und Röntgenscanner, Kameras oder Metalldetektoren werden für die Fremdteilerkennung eingesetzt. Die Vorteile solcher Systeme zeigen sich insbesondere in Krankenhauswäschereien: Die regelmäßig in den Wäschesäcken abgeworfenen medizinischen Instrumenten werden automatisch von der Kleidung getrennt, wodurch Schäden an der Ware und den Maschinen minimiert werden. Die Nutzungsdauer der Textilien steigt und die Kosten sinken.

Wäschereiprozesse in Echtzeit

Während die professionelle Aufbereitung von Berufskleidung einen hohen Automatisierung- und Transparenzgrad erreicht hat, sind in der Flachwäscherei meist nur generelle Aussagen über Quantität, Qualität und Aufenthaltsort der Textilien möglich.

Selbstorganisierte Fertigung

Auf dem Weg zur automatisierten Produktion übernehmen hochmoderne Information- und Kommunikationstechniken eine Schlüsselrolle. Sie verzahnen die an einem Produktionsprozess beteiligten Maschinen und ermöglicht die Kommunikation und Kooperation von Anlagen, Produkten und Menschen. Auf diese Weise entsteht eine selbstorganisierte, flexible Fertigung, die zu einem kontinuierlichen, unterbrechungsfreien Ablauf führt. Durch eine Synchronisierung von Waren- und Informationsfluss in der Wäscherei wird die Ware also zum geeigneten Zeitpunkt an die richtige Bearbeitungsstation gebracht. Ein zentrales Datenbanksystem kontrolliert dabei die Abläufe der Gesamtwäscherei, steuert zugleich die Maschinen und angeschlossene Untersysteme, wählt die richtigen Bearbeitungsprogramme und optimiert die Maschinenbelegung.

Daten laufen mit der Ware durch den Betrieb

Wenn es gelingt, den Daten- und den Warenfluss in einer Flachwäscherei durchgehend zu synchronisieren, bringt jeder Wäscheposten seine Informationen von der Schmutzwäschesortierung bis zu den Legemaschinen mit. Die Ware lässt sich also durch den kompletten Betrieb verfolgen, da bei jeder durchlaufenen Station die Information des Postens automatisch oder – nach dem Trockner – in Form von barcodierten Etiketten mitgeliefert wird („Verstetigung der Produktion durch Synchronisation von Material- und Produktionsfluss“). Ist die Wäsche mit RFID-Identifikationssystemen ausgezeichnet, lässt sich der Warendurchlauf vollständig transparent gestalten, denn jeder Chip oder Tag trägt die notwendigen Informationen eines einzelnen Teils. Angesichts der hohen Investitionen für die Transponder ist das „Chippen“ von Flachwäsche für die wenigsten Wäschereien derzeit jedoch eine Option. Daher erwartet die Textilpflegebranche von den Maschinen- und Anlagenbauer ökonomischere, funktionssichere Lösungen.

Mann vor einem Touch-Bedienfeld

Clever bis zum Ende der Kette

Weiteres Automatisierungspotenzial schlummert in der Kommissionierung und der Warenbereitstellung. Das manuelle Zusammentragen von Lieferpositionen ist fehleranfällig und führt zu Kundenbeschwerden. Durch intelligente Wäschespeicher- und Transportlösungen, clevere Stapelmanagementsysteme und die Vernetzung der Anlagen mit dem Informationssystem einer Wäscherei wird der Kommissionierungsprozess einfacher, schneller und zuverlässiger. Damit die Integration funktioniert, sind moderne Maschinen mit entsprechenden Schnittstellen versehen, so dass jede neue Anlage nahtlos in das bestehende System einer Wäscherei eingebunden werden kann. Gleiches gilt für Zubehörmaschinen, die in der Warenvorbereitung und der Reparatur alle wichtigen Informationen online austauschen.

Nutzerfreundlichkeit per App

Die digitale Entwicklung findet aber nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen statt. Für Waschsalons etwa liefern Apps wichtige Statusinformationen von Geräten, ermöglichen einen transparenten Betrieb auch über größere Entfernungen hinweg oder stellen digitale Abrechnungsmodelle zu Verfügung.

Statements zur digitalen Wäscherei  

Martin Rauch, CSO der Jensen-Group in Harsum

„Um die wirtschaftliche Situation eines Betriebs beurteilen, Preise kalkulieren und Prozesse effizient steuern zu können, brauchen Wäschereien verlässliche Zahlen. Ohne Daten ist die Lenkung eines Unternehmens nicht möglich - what you can’t measure, you can’t control! Daher haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, mit künstlicher Intelligenz und vernetzten Maschinentechnologien die Automatisierung der Branche voranzubringen und die Situation einer Wäscherei in Echtzeit abzubilden. Dieser Trend kommt vor allem den unter hohem Kostendruck stehenden Wäschereien im Gesundheitswesen zugute. Gerade in den Benelux-Staaten, den DACH-Ländern, Frankreich, Großbritannien und Skandinavien ist die Zahl der Digitalisierungspioniere daher hoch.“

Matthias Schäfer, Produktmanagement Laundry Logistics/Smart Laundry Kannegiesser (Vlotho)

„Herumstehende Wäschewagen, Wartezeiten an Maschinen, zu große Puffer oder die Suche nach Wäsche sind totes Kapital. Durch geeignete Maschineninvestitionen und ein verbessertes Transportmanagement lassen sich die Prozesse in einer Wäscherei optimieren. Eine datenbankgesteuerte, kundenspezifische Steuerung jedes Wäschepostens erhöht die Prozesssicherheit und verkürzt die Rüst- und Wechselzeiten. Eine vernetzte Wäscherei – eine „SmartLaundry“ – trägt dazu bei, die Produktivität zu steigern, Vielfalt zu meistern und Liefertreue zu garantieren.“

Andreas Barduna, kaufmännischer Leiter des Geschäftsbereichs Miele Professional (Gütersloh)

„Für Studentenwerke und Wohnungsbaugesellschaften sind Apps eine clevere und zugleich elegante, technische Lösung. Sie vernetzen alle Teilnehmer und die angeschlossenen Geräte in der Waschküche. Alle Beteiligten können die Waschmaschinen und Trockner online reservieren und die Nutzung bargeldlos bezahlen. Wenn die Wäsche fertig ist, gibt es sofort eine Push-Nachricht. Auf diese Weise werden die Stoßzeiten in Gemeinschaftswäschereien entzerrt und die Nutzerfreundlichkeit nimmt zu.“

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