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Hallo, ich bin neu hier

01.06.2026

Bardusch in Siedenburg ist ein auf Bewohnerwäsche spezialisierter textiler Vollversorger. Das Hemd eines Altenheimbewohners begibt sich erstmals auf die Reise durch den Betrieb, in dem täglich bis zu 30.000 Einzelteile hygienisch aufbereitet werden, und gewinnt dabei erstaunliche Einblicke.

Lesedauer: 6 Minuten

Frisch aufbereitete Bewohnerwäsche nach dem Waschprozess

Hallo! Mein Name ist K-Ro, ich bin ein Hemd und ich gehöre Peter. Wir sind vor einigen Tagen umgezogen und wohnen jetzt in einem hellen Zimmer im Seniorenheim Weserwiese. Wir haben auch ein kleines Badezimmer, das aber keinen Platz mehr für eine Waschmaschine bietet. Deshalb hat man Peter mitgeteilt, dass die Pflege seiner Wäsche fortan von Spezialist*innen übernommen wird. Er müsse seine gebrauchte Kleidung lediglich sammeln, um den Rest kümmere sich der textile Vollversorger bardusch in Siedenburg. Mit diesen Worten bekam er einen Wäschesack in die Hand gedrückt, an dem ein Zettel befestigt war, auf dem sein Name und der Name des Heims stand und auf dem ein Barcode aufgedruckt war. 

Eingesackt nach Siedenburg

Bewohnerwäsche im Pflegeheim zur Auslieferung bereit

Seit unserem Einzug hat Peter fleißig seine schmutzige Wäsche gesammelt und nun liege auch ich - Seite an Seite mit verschiedenen Kollegen – in dem Sack. Wie ich gehört habe, sollen wir gleich abgeholt werden. Und tatsächlich – es geht los. In einem Wäschewagen rollen wir durch das ganze Heim, in dem es ziemlich viele Zimmer zu geben scheint. Es wird nämlich allmählich ungemütlich in dem Container, denn Sack um Sack wird auf uns getürmt – und so mancher Beutel ist mal richtig schwer! Wer weiß, was da alles drin ist? Nun scheinen endlich alle Wäschesäcke eingesammelt zu sein, denn wir rollen Richtung Ausgang. Hier ist die Luft deutlich besser. Aber was ist nun schon wieder los? Es wird plötzlich ganz dunkel und ruckelig. Offenbar geht es jetzt Richtung Siedenburg. Und tatsächlich – nach mehreren Stopps wird unser Wäschewagen in ein langgestrecktes Gebäude gerollt, das seinen Besitzer, Firma bardusch, stolz mit einem blauen, großen Schriftzug ankündigt.

Mit Barcode durch den Betrieb gesteuert

Digitale Erfassung von Bewohnerwäsche im Betrieb

Vor einem gewaltigen Rohrpostsystem macht unser Container Halt und kurz darauf rüsselt ein Mann einen Sack nach dem anderen in zwei Röhren. Das ist spaßig, es fühlt sich an wie Riesenrutschefahren. Allerdings geht es auf- und nicht abwärts und endet mit einer harten Landung. Dann öffnet jemand unseren Wäschesack und wir werden auf einen Tisch ausgeschüttelt. „Hallo. Ich bin neu hier!“ möchte ich der freundlichen Dame zurufen, aber sie weiß es auch von alleine. Sie betrachtet mich ganz genau, was mich leicht beschämt, denn seit geraumer Zeit fehlt ein Knopf in der Bauchgegend. Sie hat es sofort bemerkt und tippt etwas in ihren Computer ein. Dann betrachtet sie das Pflegeetikett, tippt wieder in den Rechner, nimmt mich auf und plötzlich wird es warm am Rücken. Ich habe keine Ahnung, was hier vor sich geht. Aber nachdem meine Kumpels dasselbe Prozedere hinter sich gebracht haben, sehe ich, dass wir alle auf einmal ein Label mit Peters Namen und dem des Heims sowie vielen Strichen tragen. Das nennt sich Barcode, habe ich einem Gespräch der Beschäftigten am Sortierstand entnommen. Für mich sehen sie alle gleich aus. Es muss aber Unterschiede geben, die ein Scanner offenbar erkennen kann. Warum sonst sollte die Dame am Sortierstand den Code von jedem einzelnen unseres Lots einscannen? Er scheint alle Informationen über die Prozesse zu enthalten, die wir zu erwarten haben. Und er ist wohl auch dafür verantwortlich, dass meine Kameraden und ich in verschiedenen Schächten verschwinden, nachdem wir auf ein atemberaubend schnelles Sortierband abgeworfen worden waren. 

Der Wäscheposten bleibt zusammen

Bewohnerwäsche im Wäschesack auf Förderband

Nun liege ich schon wieder in einem Wäschesack…. Meinen direkten Nachbarn kenne ich – wir sind uns im Heim schon mal begegnet. Die anderen, so versichert mir mein Nebenmann, kämen ebenfalls aus derselben Einrichtung. Wir würden im Übrigen unsere weitere Reise durch den Betrieb gemeinsam antreten, denn in Siedenburg bliebe die Wäsche aus einem Heim immer zusammen. Natürlich könne es auch mal vorkommen, dass die ein oder andere Klamotte eine Extrarunde drehe. Aber einen Tag später würden auch diese Teile wieder bei ihren Besitzern abgeliefert werden.

Zur Wäscheschonung bei 40°C desinfizierend gewaschen

Bewohnerwäsche durchläuft industrielle Waschstraße

Jetzt liege ich schon ein paar Minuten in dem Container und konnte mich mit der Umgebung vertraut machen. Gleich nebenan steht ein Förderband mit großen, abgeteilten Fächern. So etwas Ähnliches habe ich einmal in der Zeche Zollverein in Essen gesehen – nur länger und mit kleineren Fächern für das Eisenerz. Das Band führt zu einer riesigen Stahlröhre. Außerdem kann ich drei Waschmaschinen mit enormen Ausmaßen erkennen. Und einen großen, weißen Schrank mit Bullauge, an dem Chemischreinigung steht und vor dem ein Wäschewagen mit Wollpullovern, selbstgestrickten Socken und Seidenblusen parkt. In welche dieser monströsen Maschinen mich wohl meine Reise führen mag? Die Frage klärt sich sofort. Ein Mann packt mich und alle anderen Teile aus unserem Container und legt uns auf das Rollband. Darauf fahren wir nun direkt zu der Röhre, die sich als eine kontinuierlich arbeitende Waschmaschine entpuppt. Und ehe ich mich versehe, werden wir genau in diese eingespült. Es ist stockfinster hier, aber mit 40°C angenehm warm. Auch die zugegebenen Ingredienzen (Waschmittel) sind wohltuend. Sie entfernen die Flecken, die Peter kürzlich beim Mittagessen auf mich gekleckert hat. Außerdem, so raunt es in unserem Wäscheposten, sind am Ende auch Mikroorganismen und Keime weg. 

Automatisch trocknen, finishen, falten

Automatisierte Aufbereitung und Faltung von Bewohnerwäsche

Nach fast einer Dreiviertelstunde sehe ich endlich Licht am Ende des Tunnels! Doch was ist das? Wir werden direkt in eine Zentrifuge umgeladen - und dann geht es so lange rund, bis kaum noch Wasser in uns steckt. Mir ist schon ganz schwummerig, als wir auf das nächste Förderband abgeworfen werden. Ich hoffe inständig, dass es jetzt ruhiger zugehen wird. Daraus wird jedoch nichts – wir steuern zielgenau auf einen enormen Trockner zu – und verschwinden in dessen Inneren. Immerhin ist es hier warm, aber - oh weh - es wird immer heißer! Als ich wieder zu mir komme, liegen wir in einem Haufen auf einem Band. Um uns herum stehen mehrere Frauen, die sich ein Teil nach dem anderen greifen und auf einen Bügel aufhängen. Mit einer Handbewegung durch eine zangenähnliche Konstruktion, dessen Name Lobster zu sein scheint, schicken sie uns auf die Reise einer, wie es scheint, eingleisigen Modelleisenbahn. Beim Vorbeifahren an den Bildschirmen, die an den Arbeitsplätzen hängen, bekomme ich noch mit, dass unser Seniorenheim nun abgearbeitet ist und gleich die nächste Einrichtung folgen wird. Ich schaue mich verwundert um. Und tatsächlich: Vor mir aufgereiht fahren nur „Weserwiesener“. Doch plötzlich biegt mein Vordermann ab, während ich weiter geradeaus unterwegs bin. Wieso bekommt er eine Sonderbehandlung und ich nicht? Später soll ich erfahren, dass er eine Extrarunde im sogenannten Finisher gedreht hat, wo es heiß und feucht war. Jetzt bin ich froh, dass mir diese Prozedur erspart geblieben ist: Auf Dauer bekommt meinem Teint zu viel Hitze nicht. Allerdings muss ich zugeben, dass der Finisher eine Art Jungbrunneneffekt besitzt, denn mein Vordermann hat plötzlich deutlich weniger Falten als zuvor.

Textilien, nach Bewohnern in Kisten abgelegt

Sortierung von Bewohnerwäsche im Textilservicebetrieb

Auch wenn meine Reise durchaus interessant ist, mag ich nicht mehr. Ich will zurück zu Peter. Wie sich herausstellt, wird das aber noch etwas dauern, denn vor einer Art Klappmaschine kommen wir zum Halten. Dort wird einer nach dem anderen abgebügelt und vollautomatisch zusammengelegt. Jetzt sehen wir wieder aus wie neu. Doch meine Freude darüber ist nur von kurzer Dauer, denn mir kommt plötzlich ein furchtbarer Gedanke: Wie wissen eigentlich die vielen Hände bei bardusch, wohin ich gehöre? Da fällt mir wieder der Patch in meinem Rücken ein. Wenn er die Bearbeitung steuert, dann vielleicht auch die Zuordnung zum Heim und zu Peter. Und tatsächlich! Nachdem wir auf einen Sortierstand zugesteuert sind, scannt jemand meinen Barcode ein und legt mich dann in einen Aufzug. Dieser transportiert mich auf direktem Weg zu einer von mehr als zweihundert Kisten, von denen jede einem bestimmten Heimbewohner zugeordnet zu sein scheint. Ich sollte Recht behalten! In meiner Kiste treffe ich all jene wieder, die anfangs mit mir in Peters Wäschesack lagen. Jetzt sind auch die Socken und Unterhosen wieder da, von denen wir an der Aufbügelstation getrennt worden waren und die, wie sie erklärten, ohne Umwege direkt zur Faltmaschine gebracht worden waren. 

Sauber gebündelt zurück ins Altenheim

Mitarbeiterin belädt Lieferwagen mit Bewohnerwäsche

Uns bleibt keine Zeit, unsere Erlebnisse zu erörtern, denn mit einem Ruck setzt sich unsere Kiste in Bewegung. Wir kommen vor einer Dame abrupt zum Halt, die unseren Stapel gekonnt aus der Kiste heraus, uns mit kritischem Blick mustert und den ein oder anderen noch einmal in Form bringt. Dann nimmt sie einen Wäschesack, schlägt uns darin ein, lässt uns mit zwei Papierbanderolen zu einem handlichen Päckchen zusammenschnüren, pappt einen Aufkleber darauf und legt uns zum Schluss wieder in einen Wäschewagen, an dem ein Schild mit der Aufschrift Weserwiese hängt. Juchhu, denke ich, es geht nach Hause zu Peter! Allerdings muss ich mich noch eine Nacht in Geduld üben. Erst am kommenden Morgen lädt uns der Fahrer, der uns auch abgeholt hat, in seinen Transporter und bringt uns zum Heim, wo uns das Personal wieder zu unseren Besitzern bringt. Peter freut sich über unsere Rückkehr und bemerkt sogar noch, dass alles in bester Ordnung ist. 

Sabine Anton-Katzenbach

Sabine Anton-Katzenbach

Diplom-Textilingenieurin und freie Journalistin

Sabine Anton-Katzenbach begleitet die Textilpflege-Branche seit drei Jahrzehnten und berichtet über deren unterschiedliche Facetten.