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Textilservice Symbol mit LKW und fließendem Stoff

Textilservice ist ein Bravourstück interner und externer Warenlenkung

01.06.2026

Textildienstleister*innen erbringen logistische Meisterleistungen, die sie an sich wandelnde Rahmenbedingungen anpassen. Besonders herausfordernd sind dabei der Umgang mit einer steigenden betrieblichen Datenflut sowie Umweltregulierungen auf Seiten der Lieferlogistik.

Lesedauer: 4 Minuten

Das Tagesgeschäft von Textilservice-Unternehmen lässt sich auf eine kurze Formel bringen: Sie versorgen Kund*innen aus Handwerk, Industrie, Gesundheitswesen und Gastgewerbe mit Wäsche. Per Definition gehört die Branche damit weniger zur Dienstleistungs- als vielmehr zur Logistikindustrie: Dr. E. Grosvenor Plowman beschrieb Logistik nämlich als die Verfügbarkeit des richtigen Guts, in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für die richtigen Kund*innen, zu den richtigen Kosten. Und genau diese Leistungen erbringen Mietwäschereien: Sie liefern zu festgelegten Terminen sauber gewaschene, gebrauchstüchtige Textilien bei ihren Kund*innen an, nehmen Schmutzwäsche mit, bereiten diese im eigenen Betrieb auf, kontrollieren die Qualität, reparieren sie oder tauschen defekte Teile aus. Abschließend wird die Ware kommissioniert und an die Kund*innen zeitgenau ausgeliefert.

Für reibungslose Verfahren laufen im Mietservice dabei stets zwei logistische Kreisläufe ab: Intern sorgt die Betriebslogistik für die komplette Steuerung und Zuordnung der Ware, während über die Lieferlogistik - grob gesagt - die Touren zu den Kund*innen und zurück zum Betrieb organisiert werden. Für beide Systeme gibt es längst etablierte Prozesse, die jedoch aufgrund technologischer oder regulativer Entwicklungen stetigen Veränderungen unterliegen und an diese angepasst werden müssen.

Beherrschung der Daten

Smarte Textilien werden digital im Lager gescannt

Die Transformationsprozesse innerhalb der betrieblichen Logistik werden durch eine zunehmende Digitalisierung und Datengenerierung bestimmt. Zwar erfolgt die Steuerung der internen Abläufe in einem Textilservice-Unternehmen schon lange über das Zusammenspiel von Barcodes, Chips oder RFID-Transponder mit Lesegeräten, wobei vielfältigen Daten gehändelt werden. Durch die zunehmende Automatisierung und die damit verbundene Integration von Sensorik und künstlicher Intelligenz steigt deren Menge jedoch exponentiell an. Damit steigen in den Textilservice-Unternehmen die Anforderungen zur Informationsverarbeitung: Unternehmen werden auf immer leistungsfähigere IT-Ressourcen angewiesen sein und stabile Internetverbindungen brauchen. Zusätzlich wird Datensicherheit eine zentrale Rolle spielen, um besser vor Cyberangriffen geschützt zu sein (die im Übrigen auch den Maschinenpark betreffen können) und um nationalen Datenschutzgesetzen zu entsprechen. Unternehmen müssen also über noch mehr IT-Spezialist*innen verfügen, die idealerweise auch mit Advanced Analytics umgehen können. Solche Tools analysieren und interpretieren die gesammelten Informationen, was das Erstellen von Vorhersagemodellen erleichtert und Unternehmen bei strategischen Entscheidungen (z.B. im Einkauf oder bei der Vorausschau potenzieller Risiken) unterstützt. Daten sind außerdem der Schlüssel für mehr Transparenz in der Kund*innenkommunikation und für einen individuelleren Kund*innenservice: Über Apps können Informationen geteilt werden, die weit über den Bearbeitungsstatus einer Ware hinausgehen.

Alternative Transportlösungen für eine positive Klimabilanz

Vernetzte Logistik mit Textilien LKW und Drohnen

Während sich die Textilservice-Branche auf betrieblicher Seite mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinandersetzen muss, machen zunehmende Umweltregulierungen und Vorgaben zur Verringerung von Treibhausgasen (THG) ein Umdenken auf Seiten der Lieferlogistik erforderlich. So hat sich beispielsweise die EU mit dem Green Deal bis zum Jahr 2050 zu einer Wirtschaft mit Netto-Null-Treibhausgasemissionen verpflichtet. Im Fokus steht dabei unter anderem der Transportsektor, genauer gesagt der Lieferverkehr auf der Straße: Auf ihn entfielen im Jahr 2023 fast drei Viertel (73%) der im Verkehrsbereich entstandenen THG-Emissionen in Europa.

THGs fallen bei der Verbrennung von Benzin oder Diesel als Kohlen- und Schwefeldioxid (CO2, SO2) sowie Stickoxide (NOx) an. Sie absorbieren Wärmestrahlung, emittieren die aufgenommene Energie und tragen dadurch zur Aufheizung des Planeten bei. Auf internationaler Ebene sollen gesetzliche Regularien den anhaltenden globalen Temperaturanstieg einfrieren und das Transportwesen sowie weitere energieintensive Bereiche dekarbonisieren. Textile Dienstleister sind davon unmittelbar betroffen: Ihre Lieferfahrzeuge legen jeden Tag hunderte Kilometer auf der Straße zurück. Daher findet bereits eine allmähliche Abkehr von Transportfahrzeugen mit Verbrennermotor statt und Fahrzeugflotten werden auf elektrisch angetriebene umgerüstet. Zudem ziehen Unternehmen Belieferungen über alternative Systeme wie Lastenfahrräder, Drohnen, LKWs mit Wasserstoffantrieb oder mittels Paketdienstleister in Betracht und starten Testballons mit solchen Systemen, zumal sie weitere Vorteile bieten: Zum einen ermöglichen sie die Einfahrt und Kund*innenbelieferung in städtischen Umweltzonen. Zum anderen erleichtern sie das Umgehen von Staus und erreichen Betriebe, die weit außerhalb üblicher Lieferrouten angesiedelt sind. Außerdem kann sich die Minderung des ökologischen Klimafußabdrucks eines Textildienstleisters positiv auf die Klimabilanz von Kund*innen in Europa auswirken: Große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeiter*innen müssen gemäß der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen. In diesem müssen sie Auskunft über ihre Scope 1, 2 und 3 Emissionen geben, die u.a. für ihre Textilversorgung durch einen Mietservice anfallen.

Kund*innenkontakt braucht Service-Fahrer*innen

Digitale Lieferkette mit Fahrzeugen und Datenströmen visualisiert

Die sich ändernden Verkehrsregulierungen und alternativen Transportmittel führen in den Textilservice-Betrieben zu weiteren Änderungen. So müssen beispielsweise die Reichweiten, Beladungskapazitäten, Lade- und Stellflächen der Liefergefährte, aber auch das Personal in den Software-Systemen für die Routenplanung und -optimierung berücksichtigt werden. Hinzu kommt der Aufbau einer eigenen Ladelogistik auf dem Betriebsgelände, die mit der Installation von (emissionsfreien) Photovoltaik-Anlagen verbunden sein kann.

Eine weitere Neuerung wird auf die Betriebe mit autonomen Transportsystemen zukommen. Fahrerlose Transportsysteme (FTS) bzw. Automated Guided Vehicles (AGV) gibt es schon sehr lange, sie sind bereits seit den 1950er Jahren in geschlossenen Arealen – z.B. Lagerhallen - im Einsatz. Der nächste Schritt soll die Verlagerung autonomer Transportsysteme auf die Straße sein. Erste Pilotprojekte – etwa mit ferngesteuerten Trucks – haben in nicht öffentlichen Bereichen bereits stattgefunden. Von solchen Konzepten verspricht man sich das Einsparen von Personal und das Vermeiden von Staus. Es ist jedoch fraglich, ob Textilservice-Unternehmen auf autonome Liefersysteme umstellen werden, denn die Service-Fahrer*innen haben den direktesten Draht zu Kund*innen. Sie sind deren mit großer Regelmäßigkeit wiederkehrenden Ansprechpartner*innen und erhalten vor Ort wichtige Informationen, die andernfalls „auf der Strecke“ blieben. Trotz zunehmender technischer Fortschritte bleiben Menschen in der Dienstleistung also nach wie vor unersetzlich.

Sabine Anton-Katzenbach

Sabine Anton-Katzenbach

Diplom-Textilingenieurin und freie Journalistin

Sabine Anton-Katzenbach begleitet die Textilpflege-Branche seit drei Jahrzehnten und berichtet über deren unterschiedliche Facetten.