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Das Wichtigste in Kürze
- Die WHO empfiehlt, unreine und aufbereitete Krankenhauswäsche konsequent voneinander zu trennen. Die konkreten Desinfektionsverfahren unterscheiden sich je nach Land und Wäscheart.
- In Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten unterschiedliche Verzeichnisse für geprüfte Wäschedesinfektionsmittel und -verfahren. Chemothermische Verfahren können bereits ab 40 °C eingesetzt werden.
- In den USA empfiehlt die CDC für infektiöse Textilien eine Wäsche bei mindestens 71 °C für mindestens 25 Minuten.
- Großbritannien unterscheidet zwischen Bettwäsche und Arbeitskleidung: Für Bettwäsche gelten thermische Verfahren; für Arbeitskleidung gibt es eigene Waschhinweise.
- In Indien richten sich die Verfahren nach Risikoklasse und Textilart. Infektiöse Wäsche wird vor der Maschinenwäsche mit Natriumhypochlorit vordesinfiziert.
- Bioindikatoren, Temperaturkontrollen und Hygienemanagementsysteme wie RABC helfen, die Wirksamkeit und Prozessqualität zu überprüfen.
Die WHO-Empfehlungen für das Management gebrauchter und sauberer Krankenhauswäsche finden weltweit Anwendung. Sie sehen eine strikte Trennung infektionsverdächtiger und infektiöser Schmutzwäsche aus Gesundheitseinrichtungen von desinfizierend aufbereiteten Textilien vor. Nationale Regelwerke legen räumliche, technische und organisatorische Maßnahmen sowie Handlungsanweisungen für das Personal fest. Im Hinblick auf die anzuwendenden Desinfektionswaschverfahren kocht jedoch jedes Land sein eigenes Süppchen.
Deutschland, Österreich, Schweiz
Textilien, von denen eine Ansteckungsgefahr durch Krankheitserreger ausgeht, müssen auf behördliche Anordnung desinfiziert werden – ausschließlich mit Mitteln und Verfahren, die vom Robert Koch-Institut (RKI) und dem Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) geprüft und für die Wäschedesinfektion gelistet sind.
In Österreich gilt die Übersicht zur Wäschedesinfektion des Industrieverbands Hygiene und Oberflächenschutz (IHO), in der Schweiz kommen alle drei Listen zum Einsatz.
Die Verzeichnisse nennen Hersteller, Wirkstoff, Wirkspektrum, Dosierung von Desinfektions- und Waschmittel, Flottenverhältnis, Temperatur und Haltezeit. Die meisten Verfahren arbeiten mit Sauerstoffbleiche (Peroxidverbindungen) bei 60 bis 70 °C und 10 bis 20 Minuten Haltezeit; gelistet sind aber auch chemothermische Prozesse bei 40 °C. Natriumhypochlorit spielt als Desinfektionsmittel kaum noch eine Rolle – das RKI listet es nur noch für Einlegeverfahren bei Zimmertemperatur.
USA
Eine pauschale Wäsche-Desinfektionsliste gibt es in den USA nicht. Als kontaminiert gelten laut Occupational Safety and Health Administration (OSHA) Textilien, die mit Blut oder anderen potenziell infektiösen Materialien beschmutzt sind. Die U.S. Environmental Protection Agency (EPA) testet und registriert Produkte als „Laundry Sanitizer“ und „Laundry Disinfectants“ und ordnet sie nach Wirksamkeit verschiedenen Listen zu – etwa Liste G (Noroviren) oder Liste N (SARS-CoV-2). Typische Wirkstoffe sind Natriumhypochlorit, quaternäre Ammoniumverbindungen und Wasserstoffperoxid. Verfahrenshinweise liefern erst die Leitlinien der U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Infektiöse Textilien sollen mindestens 25 Minuten bei mindestens 160 °F (71 °C) gewaschen werden; Natriumhypochlorit kann zusätzliche Prozesssicherheit bieten.
Die Leitlinie gibt zudem weitergehende Hinweise: Eine schnelle Reduktion des pH-Werts im letzten Spülgang von etwa 12 auf 5 kann zur Inaktivierung einiger Mikroorganismen beitragen. Auch die hohen Temperaturen beim Trocknen und insbesondere beim Mangeln haben eine zusätzliche mikrobiozide Wirkung.
Großbritannien
Großbritannien unterscheidet zwischen der Dekontamination von Objektwäsche und der Aufbereitung von Arbeitskleidung. Erstere regelt das Health Technical Memorandum 01-04 des Department of Health: Bettwäsche wird thermisch bei 65 °C für mindestens 10 Minuten oder bei 71 °C für mindestens 3 Minuten desinfiziert. Für temperaturempfindliche Textilien ist eine chemothermische Desinfektion nötig, deren Verfahren mit einem Mikrobiologen oder dem Infektionskontrollteam festgelegt wird. Gelistete Verfahren gibt es – wie in den USA – nicht; die Mittel müssen aber der europäischen und britischen Biozid-Vorschrift entsprechen.
Für die Privatwäsche von Arbeitskleidung hat der National Health Service (NHS) die Leitlinie ‘Uniforms and workwear: guidance on uniform and workwear policies for NHS employers’ herausgegeben. Danach soll Arbeitskleidung bei der höchsten für das textil geeigneten Temperatur gewaschen werden, idealerweise 10 Minuten bei 60 ºC, um fast alle Mikroorganismen zu entfernen. Auch MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), ein antibiotikaresistentes Bakterium, wird laut Leitlinie bereits bei 30 °C mit Waschmittel entfernt. Bei Ausbrüchen oder Kontamination mit Körperflüssigkeiten muss die Kleidung jedoch desinfizierend in der Zentralwäscherei aufbereitet werden.
Indien
In Indien regeln die „Guidelines for central sterile supply department (CSSD) & Mechanized laundry“ des Department of Health and Family Welfare die Aufbereitung von Textilien aus Kliniken, Tageskliniken und ambulanten Einrichtungen. Unterschieden wird zwischen Wäsche aus unkritischen Bereichen (benutzt, verschmutzt) und aus kritischen Bereichen (kontaminiert, infektiös). Letztere wird separat angeliefert, vorgewaschen und 20 Minuten in 0,5- prozentiger Natriumhypochlorit-Lösung vordesinfiziert, bevor sie maschinell gewaschen wird. Die Prozessführung richtet sich nach der Risikoklassifikation und der Art der Textilien: Unkritische weiße Flachwäsche wird 20 Minuten bei 60–70 °C chemothermisch desinfiziert, farbige Objekttextilien bei 50–60 °C. Stark verschmutzte, infektiöse weiße Bettwäsche wird 20 Minuten bei 80 °C behandelt; die farbige Variante durchläuft zwei Hauptwaschgänge bei 60–70 °C und 80 °C.
Hygienemanagement als Qualitätsversprechen
In Europa bietet die europäische Norm EN 14065 Wäschereien einen Rahmen, um mit dem RABC-System (Risk Analysis and Biocontamination Control) die mikrobiologische Qualität ihrer Textilien entlang der gesamten Prozesskette zu sichern – von der Annahme über Wäsche und Finish bis zu Lagerung und Transport. Kritische Punkte werden identifiziert, mit Maßnahmen und Grenzwerten hinterlegt, dokumentiert und regelmäßig überprüft.
In den USA bescheinigt der Wäschereiverband Association for the Linen, Uniform and Facility Services Industry (TRSA) die Hygienekompetenz: Wer qualifizierte mikrobiologische Tests besteht, Best Management Practices in einem Qualitätssicherungshandbuch dokumentiert und ein Vor-Ort-Audit erfolgreich absolviert, erhält das Hygienezertifikat.
Nachweis der Desinfektionsleistung in der Wäsche
Die Desinfektionsleistung eines Waschverfahrens lässt sich mit geeigneten Waschkontrollstreifen, sogenannten Bioindikatoren, überprüfen. Welche Prüfverfahren und Anforderungen gelten, hängt vom jeweiligen Regelwerk ab. Die sogenannten Bioindikatoren bzw. Testmaterialien laufen im Waschposten mit und werden anschließend steril verpackt im Labor ausgewertet. Bei thermischen Verfahren dokumentieren Thermofühler oder Thermologger Temperatur und Einwirkzeit.
Mindestanforderungen für die Wäschedesinfektion in verschiedenen Ländern
| Land | Geltungsbereich | Vorgaben, Mittel oder Verfahren | Mindestanforderung |
|---|---|---|---|
| Deutschland, Österreich, Schweiz | Bettwäsche – und -unterlagen, Handtücher, Personalkleidung, Wischbezüge, Kissen, Bettdecken etc. | Desinfektionsmittelliste des RKI, VAH und IHO | Chemothermisch: Thermisch: |
| USA | Mit Blut oder anderen potenziell infektiösen Materialien beschmutzte Textilien | Von der EPA zugelassene Produkte in den Kategorien „Laundry Sanitizer“ und „Laundry Disinfectants“ | Chemothermische Desinfektion bei 71 °C für mindestens 25 Minuten |
| Großbritannien | Bettwäsche | Thermische Desinfektion bei 65 °C für mindestens 10 Minuten oder 71 °C für mindestens 3 Minuten | Chemothermische Verfahren in Absprache mit einem Mikrobiologen |
| Großbritannien | Personalkleidung | Thermische Desinfektion in der Haushaltsmaschine, 10 Minuten bei 60 ºC, mitunter auch 30 °C + Waschmittelzugabe | Bei Ausbruchsituationen und Kontaminationen mit Körperflüssigkeit ist eine desinfizierende Wäsche in der Krankenhauswäscherei erforderlich |
| Indien | Textile Ausstattung einer Klinik inkl. Personalkleidung | Vordesinfektion infektiöser Wäsche mit 0,5-prozentiger Natriumhypochlorit-Lösung | Je nach Wäscheart chemothermische Desinfektion bei mindestens 50 °C und 20 Minuten |
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