Überspringen

Der Druck auf die Wasserreserven steigt

20.08.2026

Wasser ist die Lebensader jeder Wäscherei. Angesichts extremer Hitzeperioden rund um den Globus droht sie jedoch allmählich zu versiegen. Daher ist in der Branche mehr denn je ein komplexes Wassermanagement von Nöten.

Lesedauer: 5 Minuten

  • Wasserknappheit und steigende Ver- und Entsorgungskosten erhöhen den Handlungsdruck auf gewerbliche Wäschereien.
  • Je nach Maschinentyp und Region verbrauchen gewerbliche Wäschereien etwa 4 bis 33 Liter Wasser pro Kilogramm Wäsche.
  • Schon einfache Maßnahmen wie Verbrauchsmonitoring, optimale Waschprogramme, weniger Nachwäsche und regelmäßige Wartung können den Wasserbedarf reduzieren.
  • Wasserkreisläufe, Filtration und Recycling ermöglichen deutlich größere Einsparungen und führen aufbereitetes Wasser zurück in den Waschprozess.
  • Moderne Recycling-Systeme können bis zu 85 % des Abwassers zurückgewinnen und die wasserbezogenen Betriebskosten um bis zu 50 % senken.

Die Welt schwitzt. Asien, Europa, Kanada, Südasien, die Vereinigten Staaten – sie alle litten im Jahr 2026 unter unvorstellbarer Hitze und deren dramatischen Folgen. Die Übersterblichkeit stieg weltweit in den heißesten Monaten deutlich an. Verheerende Waldbrände vernichteten riesige, meist bewaldete Flächen. Fehlender Regen sorgte für Ernteausfälle und verschlimmerte die ohnehin schlechte Trinkwasserversorgung in Teilen der Welt weiter. Große Flüsse wurden zu Rinnsalen, wodurch die Binnenschifffahrt quasi auf Grund lief und Atomkraftwerke vom Netz gingen, weil Kühlwasser fehlte. Die fatalen ökologischen und sozialen Auswirkungen werden darüber hinaus um krasse wirtschaftliche Verluste ergänzt: Die Weltbank hat ermittelt, dass ein „weiter so“ und fehlende Wassermanagement-Strategien bis zum Jahr 2050 je nach Region zu einem jährlichen Verlust des Bruttoinlandprodukts zwischen 2 und 10% führen können.

Die Auswirkungen von Wasserarmut werden an erster Stelle solche Industrien betreffen, die von der Ressource abhängen, also beispielsweise die Textil- und die Textilpflegeindustrie: Wenn der Wasserhahn für den Anbau von Baumwolle und die Veredlung von Stoffen abgedreht wird, gerät die Versorgung von Miet- und Leasingwäschereien mit Berufskleidung, Hoteltextilien und Co. ins Wanken. Abgesehen davon kann das ureigene Geschäft, das die natürliche Ressource zwingend braucht, versiegen. In der Textilpflegebranche muss es daher gelingen, den Wasserverbrauch zu senken. 

Durchschnittlicher Wasserverbrauch in gewerblichen Wäschereien nach Maschinentyp und Region

Der Wasserverbrauch einer Wäscherei liegt – je nach Art des Textils, des Verschmutzungsgrads und der Region - bei

Um einem drohenden Rückgang der Wasserreserven und steigenden Kosten für die Ver- und Entsorgung entgegenzuwirken, hat China bereits im Jahr 2011 die Drei-Rote-Linien-Strategie verabschiedet. Sie begrenzt die gesamten nationalen Wasserentnahmen, die Intensität nach Sektoren und erzwingt jährliche Effizienzverbesserungen. Schlüsselindustrien wie die Textilbranche sind verpflichtet, 24-Stunden-Überwachungssysteme zu installieren und Wasserqualitätsdaten an die lokalen Umweltbehörden zu melden. Inzwischen erfüllen oder übertreffen nahezu alle Provinzen die Effizienzziele, meldet Watertech China. So weit ist Europa noch nicht; erst Mitte 2025 wurde dort die Wasserresilienzstrategie beschlossen.

Die Folgen eines unvermindert unbekümmerten Wasserverbrauchs haben aber schon längst die Textilpflegeunternehmen, deren Fachverbände und Zulieferindustrie auf den Plan gerufen. Nach dem Motto Wasser in Wäschereien neu denken statt entsorgen spart eine Wäscherei im Baltikum nach Umbau der Abwasserbehandlungsanlage erhebliche Ressourcen und Betriebskosten ein und reduziert die Abwasserfracht. Gelungen ist dies durch Einbau von Mikro- und Membranfilter, Wärmetauscher und Verdampfungssysteme mit mechanischer Brüdenverdichtung. 

Um Wasser beim Waschen einzusparen, braucht es allerdings nicht immer nur die neusten Technologien. Hier sind verschiedene Tipps, die dazu beitragen können, den Wasserfußabdruck einer gewerblichen Wäscherei zu verringern:

  • Kontrolle der Versorgungsleitungen: Unentdeckte Löcher in Wasserleitungen – ob Frisch- oder Brauchwasser - können die Rechnung deutlich in die Höhe treiben. Durch den Einbau von Wasseruhren vor jedem Abnehmer wird der tatsächliche Verbrauch im Betrieb transparent Die an den Maschinen ermittelten Daten können zusätzlich zu einem Leistungsvergleich mit dem Industriestandard herangezogen werden und dienen dem Abgleich zwischen den vom Wasserversorger gelieferten und im Betrieb abgenommenen Wasservolumen.

  • Gute Vorsortierung und geeignete Waschprogramme: Ein Waschverfahren für jede Schmutzwäscheart ist ineffizient. Die Prozesse sollten daher auf die Verschmutzungsart und -stärke sowie das Textil abgestimmt werden. Idealerweise werden die Standardverfahren eines Betriebs gut sichtbar an den Maschinen ausgewiesen, um die richtige Programmwahl zu erleichtern. Noch einfacher wird es durch Darstellung von Piktogrammen auf dem Bedienpaneel.

  • Nachwäsche nachhalten: Nachwäsche verdoppelt die Wassermenge pro kg Ware durch eine zusätzliche Spezialwäsche. Eine ständige Kontrolle der in einer Wäscherei anfallenden Nachwaschvolumen und der Abgleich des eigenen Ergebnisses mit dem Industrie-Leistungsstandard legt eine mögliche Verschwendung von Ressourcen offen – etwa durch ungenügende Vorsortierung der Schmutzwäsche, unzureichende Waschprozesse oder technische Mängel an den Maschinen.

  • Wasserkreislaufführung nutzen: Tunnelwaschanlagen arbeiten bereits seit Langem mit der Rückführung von Spül- und Pressenwasser in Vorwasch- und Waschstufe. Zusätzliche Einsparungen sind durch gezielte Filtrationsprozesse von Brauchwasser möglich, das über Tanks geführt wird. Leicht verschmutztes Waschwasser aus der Haupt-(Klar-)wäsche kann dann beispielsweise für das Waschen stark verschmutzter Textilien wiederverwendet werden, sofern keine chemischen Nebenwirkungen zu erwarten sind.

  • Wasserrecyclingsysteme implementieren: Die Rückgewinnung und Rückführung von Wasser ist aufwendig, aber lohnenswert. Über Rohrleitungen (und Wärmetauscher) werden recyclingfähige Flotten über Filtersysteme in Tanks gepumpt, von wo sie den Waschmaschinen über Leitungen wieder zugeführt werden. Die gesamte Wasserführung erfordert aufgrund der Flottentemperatur, der enthaltenen Chemikalien und der vorhandenen Restschmutzfracht aber eine genaue Planung. Üblicherweise wird Recyclingwasser nach dem Prinzip von „sauber nach schmutzig“ eingesetzt und folgt damit der Arbeitsweise von Tunnelwaschanlagen. Ausrüstungsflotten benötigen eigene Tanks.

  • Ozon-Waschverfahren implementieren: Ozon-Reaktoren vervielfachen den Wasserstoffperoxid-Gehalt im Klarwaschbereich einer Waschstraße durch Nutzung von UV-C Licht. Dadurch sinkt die Zugabemenge der desinfizierenden Waschsubstanzen, so dass die Textilien weniger Chemie in die nachfolgende Spülkammer einschleppen. Dadurch können Spülzyklen verkürzt werden. Studien zufolge sinkt der Wasserverbrauch um etwa 10%, bei Ruess in Wolfsburg spart die Technologie durchschnittlich knapp 1 l Wasser pro kg Ware ein.

  • Wasserfrei arbeiten: Eine wasserfreie Alternative stellt die Textilaufbereitung in flüssigem oder überkritischem Kohlendioxid sowie der Einsatz von Maschinen dar, die mit Nylon-Beads arbeiten.

  • Regelmäßige Wartung: Die regelmäßige Wartung der Wäschereimaschinen stellt deren effiziente Funktion sicher und verhindert unbeabsichtigte Wasserverluste, die beispielsweise durch Leckagen in Leitungen entstehen. 

  • Personalschulungen: International fehlt gewerblichen Wäschereien häufig ausgebildetes Personal. Aufgrund fehlenden Hintergrundwissens kommt es daher zu fehlerhafter Bedienung der Maschinen (Überdosierung insbesondere von Pulverwaschmittel, falsche Waschprogrammwahl etc.), die zu Nachwäsche, unnötig hohen Ressourcenverbräuchen und Beeinträchtigung von Wasserrecycling führen. Schulung des Personals können Abhilfe schaffen. Bei dieser Aufgabe unterstützen möglicherweise auch die nationalen Branchenverbände, sofern sie Schulungen und Weiterbildungen anbieten.

  • Investition in moderne, effiziente Waschtechnik: In einigen Ländern werden noch immer Toplader zur gewerblichen Wäschepflege eingesetzt, obwohl diese mehr als verschwenderisch mit Wasser und Energie umgehen. Durch Investition in moderne Frontlade-Waschschleudermaschinen kann der Verbrauch um bis zu 50% verringert werden. Weitere Einsparungen ergeben sich, wenn die Maschinen mit Wiegesystemen ausgestattet sind, die das Gewicht des Waschpostens ermitteln und die Wasser- und Chemikaliendosierung automatisch an die Beladungsmenge anpassen. Hohe Drehzahlen im letzten Schleudergang sorgen außerdem für eine optimale Entwässerung, so dass mehr Spülwasser für die Rückgewinnung eingesetzt werden kann.

  • Bau von Zisternen: Das Auffangen, Aufbereiten und Verwenden von Regenwasser in entsprechend großen Sammeltanks könnte zukünftig ein probates Mittel werden, Wasserarmut zumindest saisonal abzumildern. 

Es steht außer Frage, dass sinkende Grundwasserspiegel, ein zunehmender Druck durch Wasserbehörden sowie steigende Kosten für Wasserver- und -entsorgung die Einführung von Recycling-Systemen in der Textilpflegebranche beschleunigt. Diese können bis zu 85 % des Abwassers zurückgewinnen und nach entsprechender Aufbereitung wieder in den Waschkreislauf einsetzen. Dadurch werden nicht nur überlebenswichtige Trinkwasserreserven geschont. Auch die wasserbezogenen Betriebskosten können nach Erhebungen des Laundry Water Recycling System Market Research Report 2034 deutlich sinken – und zwar um bis zu 50%!

Weitere Inhalte