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Wie wichtig ist CSR für einen Zulieferer der Textilpflegebranche?

28.07.2026

Strengere Vorgaben machen CSR für die Textilbranche zentral. Im Interview spricht CSR- Managerin Michaela Gnass von Dibella über ihre Motivation, ihren Aufgabenbereich und die Herausforderungen einer nachhaltigen Unternehmensstrategie.

Lesedauer: 4 Minuten

Die Textilbranche unterliegt immer strengeren Regulierungen, die durch die Europäische Textilstrategie definiert sind und Unternehmen zu nachhaltigem Handeln verpflichten. Mit den steigenden Anforderungen an die Marktakteure ist die unternehmerische Gesellschaftsverantwortung (CSR) zu einem wesentlichen Faktor geworden. Nachhaltige Strategien sollen dazu beitragen, die ökologischen und sozialen Auswirkungen in der Produktions-, Nutzungs- und Verwertungsphase zu minimieren und die Branche dadurch zukunftsfähig zu machen. Im Experteninterview berichtet die CSR-Managerin Michaela Gnass vom Objekttextilien-Spezialisten Dibella (Aalten) über ihre persönlichen Motive und die Aufgaben und Herausforderungen, die ihre Arbeit mit sich bringt. 

Michaela Gnass: Seit vielen Jahren steht Dibella intern wie extern für soziale und ökologische Werte, die wir heute unter dem Begriff „Unternehmerische Sorgfaltspflicht“ zusammenfassen. Aus unserer nachhaltigen Unternehmenskultur ergeben sich vielfältige CSR-Aktivitäten und die gilt es zu bündeln – von der Weiterentwicklung des Compliance Managment Systems und zur praktischen Umsetzung von Förderprojekten, von der Lieferketten-Compliance bis zur Vorbereitung und Durchführung von Audits. Die Tätigkeit umfasst also ein breites Spektrum und ist mit Schnittstellen, insbesondere zu den Kollegen im Einkauf, Vertrieb und Marketing, verbunden. Damit die Fäden wörtlich an einer Stelle zusammenlaufen, braucht es feste Verantwortlichkeiten – nämlich in der CSR-Position.

Michaela Gnass: Generell ist CSR-Engagement bei Dibella eine Team-Aufgabe, jeder einzelne Mitarbeiter ist auf eine Art und Weise involviert. 2018 wurde die CSR-Position geschaffen und seit 2024 sind wir zu zweit und unterstützen uns gegenseitig im Team.

Michaela Gnass: Wir erstellen Reportings (Nachhaltigkeitsbericht, Dibellas Corporate Carbon Footprint, Compliance Abfragen von Kunden) und verantworten die Auditierungen unserer Zertifizierungen. Ein wachsender Bereich ist der fachliche Austausch mit Kunden zu Nachhaltigkeitsthemen sowie mit Lieferanten hinsichtlich ihrer Compliance Entwicklungen. Hinzu kommt die Umsetzung von praktischen Förderprojekten über die von Dibella gegründete GoodTextiles Foundation.

Michaela Gnass: Unser CSR-Management ermöglicht es, ökologische Belastungen zu reduzieren, soziale Standards in der Lieferkette zu verbessern und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile wie Risikominimierung, Wettbewerbsfähigkeit und Kundenvertrauen zu stärken.

Hervorzuheben sind aber auch die Investitionen unserer Hauptlieferanten in neueste Umwelt- und Textiltechnologien.  Die bewusste Kaufentscheidung unserer Kunden nach verantwortungsvoll produzierten Textilien bestätigt uns, dass wir mit unserer konsequenten Nachhaltigkeitsstrategie auf dem richtigen Weg sind. Kunden setzen damit ein Marktsignal.

Michaela Gnass: CSR wird bei Dibella von allen Mitarbeitenden aktiv mitgetragen. Deshalb beginnt die interne Kommunikation bereits im Onboarding, geht über regelmäßige aktuelle Infos in unserer "Montagsrunde" bis zur Nutzung von Tools, um Kunden Einblicke in unsere Lieferantenreisen zu geben bis hin zu unserem Dokumentenmanagementsystem, in dem CSR-relevante Unterlagen versioniert abgelegt sind.Für die Kommunikation nach außen nutzen wir unsere Website, Social Media Kanäle, Pressearbeit und unser Stakeholder-Magazin "waschecht". Wir unterstützen Kunden mit Informationen, Schulungen und Marketingmaterial, welches sie für die Kommunikation an ihre Endkunden nutzen. Wir ermöglichen gemeinsame Reisen zu unseren Lieferanten oder bieten Beteiligungsmöglichkeiten an ökosozialen Förderprojekten in den textilen Ursprungsländern. So gesehen ist unser CSR-Engagement auch das CSR-Engagement unserer Kunden - und das kommt bei ihnen durchweg positiv an.

Michaela Gnass: Grenzen entstehen hauptsächlich dort, wo wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen eine Umsetzung unserer CSR-Maßnahmen einschränken.  Die Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen ist z.B. in einem stark preisgetriebenen Wettbewerbsumfeld herausfordernd. Da wir die Marktmechanismen als Einzelne nicht verändern können, müssen wir daher Kompromisse finden.  Wir sind aber davon überzeugt, mit langfristigen Partnerschaften, Transparenz und fortlaufender Kommunikation schrittweise CSR-Verbesserungen zu erreichen.

Michaela Gnass: Key Performance Indicators (KPIs) zu unternehmerischen Impacts werden immer stärker nachgefragt. Dazu gehören CO2 Berechnungen (Produktökobilanzen) und generell Bewertungsportale wie z.B. EvoVadis. Auch die Anforderungen aktueller und neuer Verordnungen und Regularien werden uns zukünftig neue Aufgaben erfüllen lassen.

Michaela Gnass: Mein Wunsch: mehr Raum für wirksame CSR-Maßnahmen statt umfangreicher Dokumentation. Dafür braucht es europaweit verbindliche, klare und praxistaugliche gesetzliche Vorgaben für den B2B-Sektor sowie verständliche Umsetzungshilfen und Leitfäden. 

Außerdem fehlt eine übergreifende Akzeptanz bestehender Siegel. Bei oft gleichem Inhalt zu bestimmten Themen werden unterschiedliche Dokumente gefordert. In dem Bereich könnte Doppelarbeit vermieden werden, so dass mehr Zeit für die Umsetzung ökosozialer Projekte in den Lieferländern bliebe.

Michaela Gnass: Am spannendsten finde ich Themen rund um Bio--Baumwolle. Besonders geprägt hat mich eine Reise zu den Farmern der Chetna-Kooperative in Indien. Dort habe ich gelernt, wie wichtig ein gesundes Ökosystem ist – und dass wir alleTeil davon sind. Das hat mich persönlich so inspiriert, dass ich ein Stückchen Ackerfläche gepachtet habe, auf dem ich selbst Bio-Gemüse und -Obst in Mischkultur anbaue und ernte. 

Ebenso wichtig ist mir der wertschätzende interkulturelle und persönliche Austausch mit Kunden und Lieferanten. Vor Ort entstehen durch offene Gespräche und genaues Zuhören oft die besten Lösungen. Nur wer Land und Leute kennt, kann Bewusstsein und Verständnis schaffen.

Michaela Gnass

Michaela Gnass

CSR-Managerin

Dibella (Aalten)

Sabine Anton-Katzenbach

Sabine Anton-Katzenbach

Diplom-Textilingenieurin und freie Journalistin

Sabine Anton-Katzenbach begleitet die Textilpflege-Branche seit drei Jahrzehnten und berichtet über deren unterschiedliche Facetten.

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