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Das Wichtigste in Kürze
- Klinikwäsche kann Krankheitserreger übertragen und gehört deshalb zum Hygienekonzept von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen.
- Verschmutzte und aufbereitete Wäsche müssen räumlich und organisatorisch strikt getrennt werden.
- Chemothermische Waschverfahren können Keime auch bei niedrigeren Temperaturen abtöten. Entscheidend sind das passende Desinfektionsmittel, die richtige Dosierung und eine verlässliche Prozessführung.
- Die Wirkstoffe unterscheiden sich in Wirkspektrum, Materialverträglichkeit, Arbeitsschutz und Umweltwirkung.
- Welche Desinfektionsmittel und Verfahren eingesetzt werden dürfen, richtet sich nach den jeweiligen nationalen Vorgaben.
Textilien sind Bestandteil des Hygienekonzepts von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen: Bettwäsche, Handtücher, Vorhänge, Matratzen, Wischbezüge sowie Arbeits- und Schutzkleidung können Krankheitskeime übertragen und für Menschen mit geschwächtem Immunsystem zum Risiko werden. Betroffen sind aber auch Anstalten, in denen viele Menschen in engen Gemeinschaftseinrichtungen zusammenkommen – also beispielsweise in Justizvollzugsanstalten oder Flüchtlingsunterkünften. Präventive Maßnahmen sind daher elementar, um die Ausbreitung von Krankheitserregern zu verhindern. Die WHO hat das Management gebrauchter und sauberer Krankenhauswäsche deshalb in ihren Empfehlungen „Minimum requirements for infection prevention and control programmes“ als Standardvorsichtsmaßnahme aufgenommen.
Diese Empfehlungen werden international in eigenen Regelwerken umgesetzt. Sie geben räumliche, technische und organisatorische Maßnahmen vor, die eine strikte Trennung verschmutzter, infizierter bzw. infektiöser Wäsche (unrein) von hygienisch aufbereiteter Ware (rein) sicherstellen. Das Vorgehen auf der unreinen Seite richtet sich nach dem Gesundheitsrisiko der angelieferten Wäsche:
- Infektionsverdächtig: Wäsche, bei der eine Verunreinigung mit Krankheitserregern (z. B. Bakterien, Viren oder Pilzen) nicht ausgeschlossen werden kann. Die britische Health and Safety Executive (HSE) stuft solche Biostoffe als Risikogruppe 2 ein.
- Infektiös: Textilien, die nachweislich oder mit hoher Wahrscheinlichkeit übertragbare Krankheitserreger enthalten – laut HSE Risikogruppe 3.
- Hochinfektiös: Wäsche, die mit Erregern mit besonders hohem Infektionsrisiko kontaminiert ist oder sein kann, z. B. aus Sonder-Seuchenstationen (HSE-Risikogruppe 4). Sie darf von Wäschereien nicht angenommen werden und muss beim Erzeuger als Sondermüll entsorgt werden.
Aufgabe der Wäscherei ist es, die Erreger abzutöten. Früher wurden Textilien dazu mindestens 10 Minuten bei 90 °C gekocht. Weil das viel Wärmeenergie kostet, Materialien krumpfen lässt und Fasern, Farben und Beschichtungen schädigen kann, wurde die thermische Desinfektion weitgehend durch chemothermische Verfahren abgelöst: Die Wäsche wird mit spezifischen Desinfektionsmitteln für eine vorgegebene Zeit bei Temperaturen von >60 °C behandelt. Vergleichsweise neu sind 40 °C-Desinfektionswaschverfahren. Sie sparen Energie beim Aufheizen, doch die aggressiveren Chemikalien verkürzen die Lebensdauer der Textilien. Vor allem erfordern sie eine hohe Prozesssicherheit (Temperaturhaltezeit, Dosierung), da die thermische Komponente als „Sicherheitspuffer“ fehlt.
Essenziell ist die Wahl der desinfizierenden Wirkstoffe, die in jedem Land eigenen Regeln folgt. Die vom HSE veröffentlichte Desinfektionsmittelliste ordnet die Mittel nach Risikogruppen. In Deutschland unterteilen das Robert Koch-Institut (RKI) bzw. der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) Desinfektionsmittel und -verfahren nach ihrem Wirkspektrum gegenüber bestimmten Biostoffen:
- A. zur Abtötung von vegetativen Bakterien einschließlich Mykobakterien sowie von Pilzen einschließlich Pilzsporen
- B. zur Inaktivierung von Viren geeignet
- C. zur Abtötung von Sporen des Erregers des Milzbrandes geeignet
- D. zur Abtötung von Sporen der Erreger von Gasödem und Wundstarrkrampf geeignet /erfordert ein zusätzliches Sterilisationsprogramm
Ähnlich in Österreich: Der Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz unterteilt Wäschereidesinfektionsmittel nach ihrer Wirksamkeit gegen Bakteri¬zidie + Levuro¬zidie, Viruzidie, Fungizi¬die, Tuber¬kulo¬zidie und Myko¬bakteri¬zidie.
Zum Abtöten solcher Bio-Stoffe in einem Waschbad kommen im Grunde nur wenige Chemikalien in Frage. Dabei handelt es sich um Peroxide, Peressigsäuren, Natriumchlorit und quarternäre Ammoniumverbindungen; sie werden in den marktgängigen Formulierungen der Waschmittelhersteller verwendet.
- Peroxide sind reaktionsfreudige, starke Oxidationsmittel, die die äußere Hülle von Mikroorganismen zerstören und dadurch das Absterben von Krankheitserregern bewirken.
- Peressigsäure bewirkt eine chemische Umsetzung mit Inhaltsstoffen der Zelle und/oder der Zellmembran. Aufgrund dieses unspezifischen Wirkungsmechanismus ist die Möglichkeit einer Resistenzbildung gering. Peressigsäurebasierte Desinfektionsmittel sind in saurem Medium (pH<3) besonders wirksam.
- Der desinfizierende Effekt von Natriumhypochlorit entsteht, indem der Wirkstoff Eiweiße und Fette zerstört, wodurch vielzählige bakterielle Erreger unschädlich werden. Aufgrund der oxidierenden Wirkung von Chlor werden außerdem chemische Bindungen von Farbpartikeln aufgebrochen, wodurch viele Flecken verschwinden.
- Quarternäre Ammoniumverbindungen sind organische, positiv geladene Verbindungen, die mit den negativ geladenen Zellmembranen, aber auch mit Proteinen interagieren, deren Funktion stören und zum Zelltod führen.
Die Wirkung eines Hygienewaschverfahrens hängt jedoch nie allein vom Desinfektionsmittel ab: Entscheidend sind die vom Waschmittelhersteller vorgegebene Prozessführung sowie das Einhalten von Temperatur und Haltezeit. Darin sind sich die für Krankenhaushygiene zuständigen Institutionen weltweit einig. Unterschiede gibt es lediglich bei der Desinfektionsdauer – und die können erheblich sein, wie der Beitrag Klinikwäsche: ein Ziel, viele Regeln zeigt.