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Die ungewöhnliche Allianz der Wäschereiriesen

25.09.2026

Ausgerechnet sechs direkte Marktwettbewerber entscheiden sich dazu, ausgediente Miettextilien zu bündeln und schaffen daraus einen industriell relevanten Stoffstrom, um erfolgreich zu recyclen. Das europäische Projekt LOOP-IT offenbart die zentrale Herausforderung der Kreislaufwirtschaft: Recycling braucht mehr als nur die geeigneten Technologien, nämlich planbare Mengen und ausreichend Material.

Lesedauer: 3 Minuten

  • Sechs europäische Textilservice-Unternehmen bündeln ausgediente Miet- und Arbeitskleidung für das Recycling. 
  • Aktuell verarbeitet LOOP-IT rund 80 bis 110 Tonnen Textilien pro Quartal. 
  • Bis Ende 2027 sollen monatlich 100 Tonnen verarbeitet werden können. 
  • Die Textilien werden in Polen zu Isolationsmaterialien für Bau und Industrie weiterverarbeitet. 
  • Die aktuelle Open-Loop-Recyclingquote liegt laut Projektpartnern bei 85 Prozent. 
  • Langfristiges Ziel ist ein Closed Loop: Ausgediente Arbeitskleidung soll wieder zu neuen Arbeitstextilien werden. 
  • Das Projekt zeigt, wie Kooperation zwischen Wettbewerbern industrielle Kreislaufwirtschaft ermöglichen kann.

LOOP-IT steht für „Large-Scale Open-Loop Processing of Industrial Textiles“. Als Mitglieder der European Textile Services Association (ETSA) arbeiten ALSCO, BARDUSCH, CWS WORKWEAR, LINDSTRÖM, MEWA und SALESIANER zusammen und verfolgen das Ziel das Recycling von professioneller Arbeitskleidung von individuellen Insellösungen auf einen höheren industriellen Maßstab zu bringen.

Sechs Unternehmen, ein Stoffstrom

Im Kerngeschäft des europäischen Textilservice konkurrieren die Unternehmen um Kunden. Doch beim Umgang mit ausgedienten Textilien verfolgen sie ein gemeinsames Ziel, denn das Projekt macht eine grundsätzliche Grenze der Kreislaufwirtschaft sichtbar:

Effizientes Recycling braucht den Willen und die Kraft mehrerer.

Während die Unternehmen ihre Kräfte bündeln, um einen ausreichend großen und verlässlichen Materialstrom für das Recycling zu schaffen, konkurrieren sie weiterhin unabhängig voneinander auf ihren jeweiligen Märkten.

Der Prozess

Wenn Arbeitskleidung ausgedient hat, wird sie aus vielen EU-Ländern eingesammelt, gebündelt und zu einem Recycler in Polen transportiert. Die Textilien werden dort zu Isolationsmaterialien verarbeitet, welche vor allem im Bau und für industrielle Anwendungen, wie beispielsweise der Automobilindustrie, eingesetzt werden. Auf dieses Verfahren ist der Recycler spezialisiert. Andere Einsatzmöglichkeiten würden andere Partner voraussetzen und sind bei den LOOP-IT Partnern bereits individuell vertreten, wie etwa bei CWS, wo aus recycelten Textilfasern neue Garne für die Herstellung von Strick und Webstoffen entstehen.

Erst diese Bündelung mehrerer Anbieter schafft ausreichend große und planbare Materialströme für einen kontinuierlichen Kreislaufprozess. Ungefähr 80 bis 110 Tonnen werden derzeit pro Quartal verarbeitet. Das entspricht etwa 320 bis 440 Tonnen pro Jahr. Das Ziel ist 100 Tonnen pro Monat effizient verarbeiten zu können und das bereits bis Ende des Jahres 2027.

Grafik zeigt Verdreifachung der Jahresproduktion bis 2027
Bis Ende 2027 soll die Verarbeitungskapazität auf 1.200 Tonnen Textilien pro Jahr steigen.

Kooperation statt individuelle Insellösungen

„Die zwei größten Herausforderungen lagen darin, das jeweilige Management von der Zusammenarbeit zu überzeugen sowie branchenüblich unterschiedliche Systeme zu synchronisieren und einheitlich zu gestalten.“- so Dr. Mathias Nell, Head of Sustainability bei SALESIANER.

Was bei einer Versammlung der Teilnehmenden in Brüssel angefangen hat, konnte zu einem europaweit koordinierten Projekt entwickelt werden, bei welchem die entscheidende Innovation nicht nur in der Recyclingtechnik, sondern vor allem in der Organisation davor liegt.

Quote und Bilanz

Die möglichst hochwertige Weiterverwendung des Materials ist das Ziel. Verarbeitet werden komplexe, multimaterialische Arbeitskleidungstextilien und laut Angaben der Partner liegt die Open-Loop-Recyclingquote bei ganzen 85 %.

T-Shirt-Design mit Symbol für Kreislaufwirtschaft
LOOP-IT recycelt aktuell rund 85 Prozent der gesammelten Arbeitskleidung im Open Loop.

Nächster Schritt: Closed Loop

Von der weggeworfenen Hose zum neuen Hemd. Vom offenen zum geschlossenen Loop. Das ist die nächste große Herausforderung, die sich die Partner vorgenommen haben: Die Materialien, nach einem erfolgreichen Recyclingprozess, wieder in den textilen Kreislauf als neue Arbeitstextilien zurückzuführen. Für dieses Projekt ist laut SALESIANER auch die Sammlung von Umweltdaten geplant.

Open-Loop VS. Closed-Loop im direkten Vergleich

Merkmal Open-Loop-Recycling (Offener Kreislauf) Closed-Loop-Recycling (Geschlossener Kreislauf)
Zielprodukt Anderes Produkt (andere Branche/Anwendung) Dasselbe oder gleichwertiges Produkt
Materialqualität Kann abnehmen (Bei Qualitätsminderung spricht man von Downcycling) Bleibt weitgehend erhalten
Häufigkeit Kann begrenzt sein, vor allem wenn Qualität abnimmt Material kann sehr häufig recycelt werden
Beispiel PET-Getränkeflaschen, die zu Polyester-Fleecejacken oder Verpackungsfolien verarbeitet werden Aluminiumdosen, PET-Flaschen, Glas oder Kupferkabel, die zu neuen Produkten aus demselben Material recycelt werden

Projekt mit Vorbildfunktion

Das Projekt zeigt einen Ansatz, der über den Miettextilsektor hinaus äußerst relevant sein kann. Das Grundprinzip kann auch für andere Branchen wie Fast Fashion oder Heimtextilien interessant sein, denn Unternehmen könnten dort zusammenarbeiten, wo einzelne Stoffströme zu klein oder fragmentiert sind, um eine industrielle Lösung für alle zu ermöglichen.

Bei Sammlung, Sortierung und Recycling sieht die Europäische Umweltagentur Ausbaubedarf und seit 2025 müssen EU-Mitgliedsstaaten bereits Systeme für die getrennte Sammlung von Alttextilien einrichten. Doch werden die europäischen Kapazitäten für diese Mengen ausreichen? Wie viel Material eine Recyclinganlage tatsächlich braucht und wie viel Investition dafür notwendig sein wird, lässt sich noch nicht ableiten. Aber Projekte wie LOOP-IT zeigen, wie es erfolgreich und kostensparend funktionieren kann, nämlich durch gesunde Kooperation.

Drago Dimitrijevic

Drago Dimitrijevic

Freier Journalist

Drago Dimitrijevic ist freier Journalist aus Wien und berichtet über die Textil- und Textilpflegebranche mit Fokus auf Innovationen, Trends und insbesondere die Zukunft der Branche.

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