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Wie wichtig ist CSR im Textilservice?

28.07.2026

Strengere Vorgaben machen CSR für die Textilbranche zentral. Im Interview erläutert die CSR-Managerin Leonie Biesen von CWS boco die Aufgaben und Herausforderungen einer nachhaltigen Unternehmensstrategie.

Lesedauer: 4 Minuten

Mitarbeiterstarke Mietservice-Unternehmen unterliegen strengeren ökologischen und sozialen Regulierungen, zu denen beispielsweise die Nachhaltigkeitsberichtspflicht (Corporate Sustainability Reporting Directive) und die Erfüllung von Sorgfaltspflichten in Lieferketten reichen. Mit den steigenden Anforderungen ist die unternehmerische Gesellschaftsverantwortung (CSR) zu einem wesentlichen Faktor geworden. Nachhaltige Strategien tragen dazu bei, die ökologischen und sozialen Auswirkungen in der Produktions-, Nutzungs- und Verwertungsphase zu minimieren und die Branche dadurch zukunftsfähig zu machen. Im Experteninterview berichtet Leonie Biesen vom internationalen Full-Service-Anbieter CWS boco (Dreieich) über ihre persönlichen Motive und die Aufgaben und Herausforderungen, die ihre Arbeit mit sich bringt. 

Blick in die Industriewäscherei von CWS Workwear
Blick in die Industriewäscherei von CWS Workwear (Quelle: CWS Workwear)

Braucht ein Unternehmen ein CSR-Management und wenn ja, warum? Welche Vorteile ergeben sich dadurch?

Ja. Für CWS Workwear ist ESG wichtig, weil Nachhaltigkeit direkt zu unserem Geschäftsmodell gehört und Teil unserer Unternehmens-DNA ist. Unser „Workwear as a Service“-Modell (Arbeitskleidung als Servicemodell) basiert auf Kreislaufwirtschaft: Kleidung wird getragen, gewaschen, repariert und wiederverwendet, statt nach einmaligem Gebrauch entsorgt zu werden. Damit dieses Modell wirksam ist, müssen ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gemeinsam gesteuert werden. Unsere Kunden erwarten heute nachweisbare Nachhaltigkeitsleistungen, die sie in ihre eigene ESG-Strategie einbinden können. Deshalb ist ESG bei uns kein Zusatz, sondern ein wichtiger Werttreiber und Differenzierungsfaktor besonders im B2B-Markt und in Ausschreibungen. Gleichzeitig hilft ESG, Lieferkettenrisiken frühzeitig zu erkennen und den Betrieb effizienter zu gestalten, etwa beim Wasser- und Energieverbrauch in Wäschereien.


Seit wann gibt es im Unternehmen eine eigenverantwortliche CSR-Position?

Nachhaltigkeit ist bei CWS Workwear seit Jahrzehnten gelebte Praxis, allerdings sind die Aufgaben immer komplexer geworden.

Ich habe die Rolle in einer Phase übernommen, in der ESG von einzelnen operativen Maßnahmen zu einer klar gesteuerten strategischen Funktion weiterentwickelt wurde. Seit 2023 verantworte ich den Sustainability & ESG-Bereich bei CWS Workwear vollumfänglich und arbeite kontinuierlich an dem Ausbau von Teamkompetenzen.  Meine Rolle ist dabei strategisch ausgerichtet, eng mit der Geschäftsführung verbunden und bereichsübergreifend im Unternehmen wirksam.


Welche Aufgaben fallen in den Zuständigkeitsbereich des CSR-Managements?

Ich verantworte die Steuerung unserer ESG-Strategie. Sie basiert auf drei Bereichen: Der Bereich Circularity (E) steht für Kreislaufwirtschaft. Mit diesem gehen Dekarbonisierung, Ressourcenmanagement, Reparatur Wiederverwendung einher. Der Bereich Empowerment (S) richtet den Blick auf faire Arbeitsbedingungen, Entwicklung von Mitarbeitenden und Partnerschaften. Responsiblity (G) steht für Governance, Compliance und transparente Daten.

Zu meinen Aufgaben gehören die Entwicklung und Umsetzung von ESG-Zielen, klimafreundlichere Prozesse inkl. SBTi-Validierung, nachhaltige Produkte und Services, Investition in erneuerbare Energien sowie die Elektrifizierung der Serviceflotte, Lieferkettenmanagement und ESG-Reporting. Besonders wichtig sind für uns ressourcenschonende Wäschereien, Reparaturen und die längere Nutzung von Kleidung. Pro Jahr reparieren wir mehr als 2,4 Millionen Kleidungsstücke.


Kann das CSR-Management Einfluss auf die ökologische, ökonomische und soziale Entwicklung im eigenen Unternehmen und in der textilen Wertschöpfungskette nehmen?

Ja, CSR und ESG haben bei CWS Workwear einen unmittelbaren Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen.  Am deutlichsten zeigt sich das an unserem Geschäftsmodell selbst: Indem wir auf zirkuläre Service-Modelle setzen, reduzieren wir den Textilverbrauch und schaffen gleichzeitig eine engere Kundenbindung. Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg schließen sich hier nicht aus, sie bedingen einander. 

Ein weiteres Beispiel ist das Produktdesign: Wir setzen auf langlebige, reparierbare Textilien und nachhaltigere Materialien wie „Cotton Made in Africa“. Außerdem investieren wir in moderne Wäschereien, die weniger Wasser, Energie und Chemikalien verbrauchen. Damit verbessert ESG sowohl unsere Umweltbilanz als auch die Wirtschaftlichkeit.

Wie kommuniziert das Unternehmen sein CSR-Engagement nach innen und außen? Wie bewerten die Kunden das CSR-Engagement des Unternehmens?

ESG-Ziele sind fest in unseren Gesamtstrategie verankert und damit für alle Mitarbeitenden auf verschiedenen Ebenen relevant. Über unsere Trainings Academy und verpflichtende Online-Schulungen ermöglichen wir, dass Nachhaltigkeitskompetenzen nicht nur in meinem Team, sondern im gesamten Unternehmen verankert sind.

Nach außen berichten wir transparent im jährlichen Responsibility Report und mit konkreten Angeboten wie unserem kostenloser Emissionsrechner. Von unseren Kunden erfahren wir dabei eine sehr positive Resonanz, weil wir ihnen helfen, ihre CO₂-Bilanz zu verbessern und Compliance-Anforderungen zu erfüllen. Dies ist für sie ein handfestes Kriterium in Ausschreibungen mit messbaren Leistungen zu überzeugen.


Welche Faktoren setzen der unternehmerischen CSR Grenzen?

Unser Workwear-as-a-Service-Modell schafft sehr gute Voraussetzungen für nachhaltiges Wirtschaften. Gleichzeitig hängt unser Handlungsspielraum aber auch von Faktoren ab, die wir nicht allein beeinflussen können. So stehen zertifizierte Fasern und recycelte Rohstoffe nicht immer in der benötigten Menge und zu wirtschaftlich tragfähigen Konditionen zur Verfügung. Deshalb fokussieren wir uns auf Faktoren, die wir beeinflussen können, bauen langfristige Partnerschaften aus und arbeiten gemeinsam daran, den Einsatz dieser Materialien zu erhöhen. Dabei verbinden wir ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Denn nur mit wettbewerbsfähigen Preisen können wir nachhaltige Lösungen langfristig im Markt etablieren. Gemeinsam mit unseren Lieferanten schaffen wir zudem mehr Transparenz entlang der Lieferkette, entwickeln soziale und ökologische Standards weiter und stärken unsere Kreisläufe.


Welche zukünftigen Aufgaben kommen Ihrer Meinung nach auf das CSR-Management noch zu?

Unsere ESG-Agenda bleibt anspruchsvoll. Wichtige Themen sind die Umsetzung neuer Berichtspflichten wie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die uns als Branche fordert und zugleich die Chance bietet, Nachhaltigkeitsleistungen vergleichbar zu machen. Hinzu kommt die Mammutaufgabe der Dekarbonisierung der gesamten Wertschöpfungskette und der Ausbau echter Textilkreisläufe. Dafür brauchen wir verlässliche ESG-Daten und müssen Nachhaltigkeit noch stärker in unser Servicemodell und unsere Kundenangebote integrieren.


Wenn die Möglichkeit bestünde: Was würden Sie beim Thema CSR ändern bzw. verbessern?

Wenn ich etwas verändern könnte, würde ich vor allem drei Punkte angehen: einheitliche und damit vergleichbare ESG-Datenstandards, die Skalierung zirkulärer Lösungen für die gesamte Branche und eine engere Zusammenarbeit mit Lieferanten zur Senkung von Emissionen. Außerdem würde ich mich dafür starkmachen, dass nachhaltige Lösungen im Markt wirtschaftlich belohnt werden. Denn solange sich Nachhaltigkeit im Wettbewerb nicht auszahlt, bleibt der Anreiz für echte Veränderung leider begrenzt.


Was gefällt Ihnen ganz persönlich an Ihrem Aufgabenbereich?

Was ich besonders schätze, ist, dass Nachhaltigkeit bei CWS Workwear kein abstraktes Konzept, sondern im Tagesgeschäft sichtbar wird. Unser Servicemodell sorgt dafür, dass Kleidung im Kreislauf bleibt statt entsorgt zu werden, dass Wasser, Energie und Chemie in unseren Wäschereien kontinuierlich optimiert werden und dass Reparatur zum Standard gehört statt zur Ausnahme. Das ergibt am Ende echte, messbare Effekte. Diese direkte Hebelwirkung, verbunden mit strategischer Gestaltungsverantwortung und echter operativer Umsetzung, macht die Rolle für mich besonders spannend.

Leonie Biesen

Leonie Biesen

CSR-Managerin

CWS boco

Sabine Anton-Katzenbach

Sabine Anton-Katzenbach

Diplom-Textilingenieurin und freie Journalistin

Sabine Anton-Katzenbach begleitet die Textilpflege-Branche seit drei Jahrzehnten und berichtet über deren unterschiedliche Facetten.

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