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Detailansicht eines DFB-Fussballtrikots mit Vereinslogo

WM 2026: Nach dem Abpfiff beginnt für die Trikots die Textilpflege

17.07.2026

Sportlich ist die Fußball-WM für die deutsche Nationalelf beendet. Hinter den Kulissen läuft jetzt der Teil, den kaum jemand sieht: die Textilpflege der Trikots und Teamwäsche. Wie läuft das ab?

Lesedauer: 6 Minuten

Kein Schild, kein Logo, absolute Diskretion: In einer Wäscherei im baden-württembergischen Ettlingen gibt es einen Raum, den nur eine Handvoll Personen betreten darf. Von außen lassen nur zwei Überwachungskameras erahnen, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Wäschereibereich handelt. In diesem Raum, der etwa so groß ist wie der Fünfmeterraum, landet nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 die Wäsche der deutschen Nationalmannschaft zur professionellen Reinigung. Denn seit 2021 bearbeitet Bardusch hier die Wäsche für den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Für den DFB-Auftrag wurde der Raum, in dem früher die chemische Reinigung untergebracht war, komplett entkernt und als eigener Sicherheitsbereich neu aufgebaut.

DFB-Fussballtrikots auf Kleiderständer im Fanshop

Zwei Tonnen Wäsche pro Team

Zwischen 9.000 und 11.000 Wäscheteile reinigt Bardusch pro Monat für den DFB. Dazu gehört neben der Wäsche der Männer- und Frauen-Nationalmannschaften auch die der Nachwuchsteams von der U14 bis zur U21. Gewaschen werden Trikots, Hosen und die gesamte Kleidung des DFB-Teams vom Spielfeld bis zur Trainerbank – also auch die neonfarbenen Trainingsleibchen, die Stutzen (die langen Strümpfe über den Schienbeinschonern), die schweren Wetterjacken und die Wäsche aus den Reisetaschen der Nationalspieler. „Pro Team sind es etwa zwei Tonnen Wäsche“, sagt Timo Weber, Produktionsleiter für Industriewäsche bei Bardusch. Dazu kommen pro Woche rund 300 Kilo Flachwäsche wie Frotteehandtücher und Bettwäsche für den DFB-Campus. Zwar macht die Wäsche im Vergleich zu den 45 Tonnen an Industriewäsche, die in Ettlingen täglich für Bäckereien, Autozulieferer, Krankenhäuser, Pharmaunternehmen und Hotels bearbeitet werden, nur einen kleinen Teil des Gesamtvolumens aus. Doch organisatorisch spielt sie in einer eigenen Liga.

Logistikzentrum des DFB für Sportbekleidung und Mannschaftsausrüstung
Nach dem Abpfiff: Im Logistikzentrum des DFB wird die professionell gereinigte Teamkleidung eingelagert, um möglichst lange im Einsatz zu bleiben (Quelle: DFB/Vera Loitzsch)

„Sie lässt die DFB-Wäsche nie aus den Augen“

Bevor neue DFB-Wäsche eintrifft, wird zuerst der Spielplan erstellt: Die Zeugwarte, die sich für die Teams um Ausrüstung, Kleidung und Kabinenlogistik kümmern, kündigen neue Wäschelieferungen in der Regel per E-Mail an. Darin stehen Angaben zu Art der Kleidung, Anzahl der Container sowie zu den Anlieferungs- und Abholzeiten. „Alle DFB-Aufträge landen bei uns in einem separaten Postfach“, sagt Weber. Rollt ein neuer Lkw mit schmutziger DFB-Wäsche an, beginnt ein präzise getakteter Zweikampf: Eine speziell geschulte Mitarbeiterin nimmt die Wäsche in Empfang und überwacht ab jetzt jeden ihrer Schritte. „Sie lässt die DFB-Wäsche nie aus den Augen“, so Weber. Zuerst wird die Wäsche im geschützten DFB-Raum nach Waschprogrammen, Farben und Verschmutzungsgrad vorsortiert; schwierige Flecken werden bei Bedarf mit Detachiermitteln, also Fleckenentfernern, vorbehandelt. Nach der Vorsortierung geht es in blickdichten Boxen hinaus aus dem gesicherten DFB-Raum zur Waschschleudermaschine. Der Spielablauf dort: Vorwäsche nach Bedarf, Hauptwäsche, Spülen. „Ein Waschgang dauert etwa 35 Minuten“, sagt Weber. Gewaschen wird bei 30 Grad – und strikt ohne Weichspüler. „Sonst könnte sich der Flock lösen.“ Gemeint sind die auf den Trikots aufgedruckten Spielernamen, Rückennummern und Logos. Eine Ausnahme bilden die Stutzen: Bei hartnäckigen Grasflecken dürfen es hier auch schon mal 60 Grad sein. Nach dem Waschen wird alles schonend bei 45 bis 50 Grad getrocknet. Dann geht es zurück in den DFB-Raum.

Beim Falten darf der Adler keinen Knick bekommen

Nun werden alle Wäscheteile sorgfältig in „Formation“ gebracht: Jedes Teil wird einzeln von Hand zusammengelegt. „Maschinelles Falten ist tabu“, betont Weber. Bei Bedarf steht ein Bügelbrett bereit, um einzelne Teile nachzubügeln. Für einige DFB-Teams wurden in enger Abstimmung mit den jeweiligen Zeugwarten Handbücher erstellt. Sie enthalten wichtige Hinweise, wie die Wäsche sortiert und gebündelt werden muss: Wie viele Stutzen gehören in ein Set? Bei der A-Nationalmannschaft der Herren sind es zum Beispiel immer fünf Paar. Welche Jacken und Trainingsteile gehören zusammen? Wie werden die Trikots richtig gefaltet? Für die Trikots der deutschen Nationalelf gilt eine eiserne Regel: Beim Falten darf der Bundesadler auf der Brust keinen Knick bekommen. Kurios: Manchmal landen auch Trikots gegnerischer Mannschaften in Ettlingen – zum Beispiel nach einem Trikottausch. Was passiert mit solchen unerwarteten Fundstücken? „Die bearbeiten wir ganz normal wie alle anderen und schicken sie zurück an den DFB“, sagt Weber.

DFB-Fussballsocken für Mannschaftsausrüstung gebündelt
Stutzen, Trikots, Trainingskleidung: Die sorgfältig sortierte DFB-Teambekleidung wartet im Logistiklager auf ihren nächsten Einsatz (Quelle: DFB/Vera Loitzsch)
Manuel-Neuer-Trikot im DFB-Teamlager vorbereitet
Stutzen, Trikots, Trainingskleidung: Die sorgfältig sortierte DFB-Teambekleidung wartet im Logistiklager auf ihren nächsten Einsatz (Quelle: DFB/Vera Loitzsch)

Der härteste Gegner lauert im Container

Gras, Erde, Schweiß und Blut – Fußballkleidung muss auf dem Spielfeld einiges wegstecken. Für Laien vermutlich überraschend: „Blut ist gar kein Problem“, so Weber. Für Waschanlagen, die täglich Arbeitskleidung aus Industriebetrieben und Metzgereien reinigen, gehört Blut zum Alltag. Deutlich hartnäckiger hingegen sind Erde und Gras, vor allem auf den Stutzen. „Stutzen gehen im Eifer des Gefechts auch schon mal tief in die Erde rein“, sagt Weber. Die in der Erde enthaltenen Pigmente lassen sich nur schwer lösen. Besonders harte Fälle werden mit Fleckenentfernern vor- oder nachbehandelt. Aber der unangenehmste Gegner für die Spielkleidung wartet im Container: Stockflecken. Sie können entstehen, wenn verschwitzte oder nach Regenspielen durchnässte Spielkleidung auf langen Transportwegen im Container liegt. „Das kennt man von zu Hause: Wenn die feuchte Sportwäsche eine Nacht in der Sporttasche bleibt, fängt sie an zu riechen“, erklärt Weber. Zwar lassen sich Stockflecken gut mit Chlor entfernen, doch für die empfindlichen Funktionsmaterialien moderner Fußball-Trikots ist das keine Option. Deshalb herrscht höchste Alarmbereitschaft, wenn neue DFB-Wäsche eintrifft. „Für uns hat dann oberste Priorität, die Wäsche sofort aus den Containern zu holen und zu sortieren“, betont Weber. 

Neue Kollektion, neue Textilpflege-Taktik

Anspruchsvoll wird es auch, wenn der DFB eine neue Kollektion einführt, also mindestens vor jeder Welt- oder Europameisterschaft. Neue Farben, neue Drucke, neue Embleme, vielleicht auch neue Materialkombinationen oder andere Textiltechnologien. Dann heißt es: Die Textilpflege-Taktik anpassen. „Kollektionswechsel sind immer eine große Herausforderung“, sagt Weber. „Auf einmal sind die Auswärtstrikots nicht mehr grün, sondern rosa – da müssen wir erst mal testen.“ Der Grund: Anders als beim Waschmittel zu Hause wird in der professionellen Textilpflege mit einem Baukastensystem gearbeitet: Je nach Textilart, Farbe und Verschmutzungsgrad werden einzelne Komponenten gezielt kombiniert. „Es gibt Mittel, da kriegt man die Flecken immer raus, aber es gibt auch Mittel, die greifen die Farbe an“, erklärt Weber. Für eine neue DFB-Kollektion muss deshalb zunächst – in enger Abstimmung mit dem DFB und den Waschmittellieferanten – die optimale Aufstellung aus Waschchemie, Waschprogramm und Temperatur gefunden werden. Dafür werden unter anderem einzelne Trikots testweise gewaschen, um den richtigen Mix aus Angriff (Fleckenentfernung) und Verteidigung (Schutz von Farben und Material) zu finden.

Spielertaschen: Vertrauen mit System

Geht es bei den Trikots hauptsächlich um Pflegequalität, kommt bei den Reisetaschen der Nationalspieler ein weiterer wichtiger Faktor hinzu: Vertrauen. Wenn die Taschen der Nationalelf eintreffen, sind sie von 1 bis 40 durchnummeriert – von den Spielern bis zum Trainerteam. Die strenge Vorgabe: Nur das obere Fach darf geöffnet werden. „Dort befindet sich Kleidung, die die Spieler auf dem Weg zu den Spielen, etwa im Bus oder im Flugzeug, tragen“, erklärt Weber. Der untere Teil hingegen ist tabu, denn darin könnten sich private Gegenstände befinden. Jede Tasche enthält bis zu zehn Kleidungsstücke. Damit jedes Teil wieder in der richtigen Tasche landet, fädelt die Mitarbeiterin farbige Baumwollschnüre durch die Etiketten, die später rückstandslos entfernt werden. Kamen die Taschen und Trikots auch zwischen den WM-Spielen nach Ettlingen? „Nein, nein“, sagt Weber und lacht. „Bei so einem Turnier ist ja alles sehr eng getaktet, da wird die Kleidung direkt vor Ort gereinigt.“ Hinzu kommt: Bei Länderspielen steht das DFB-Team ohnehin jedes Mal mit fabrikneuen Trikots auf dem Platz, weil diese für jede Begegnung als Unikate angefertigt werden.

Profi-Tipps: So bleibt das Fan-Trikot in Topform

Nach der WM landet die DFB-Wäsche wieder in Ettlingen. „Wir bearbeiten sie innerhalb von fünf bis sieben Tagen und senden sie zurück an den DFB“, sagt Weber. Zurück heißt: zum Bekleidungs- und Logistikzentrum des DFB in Langen (Hessen). Dort lagert der DFB die gereinigte Kleidung gezielt ein, damit sie – auch im Sinne der Nachhaltigkeit – möglichst lange im Einsatz bleiben kann, statt vernichtet zu werden. Kann der begeisterte Hobby-Fußballer Weber Spiele der Nationalelf eigentlich entspannt verfolgen, wenn die Trikots im Spielverlauf immer schmutziger werden? Weber lacht: „In den ersten Jahren hat man noch sehr stark auf die Flecken geschaut“, erinnert er sich. „Da hieß es im Team auch mal: ‚Oje, hast du gesehen? Gestern haben sie im Regen gespielt…‘“ Klares Signal für die Textilpflege-Profis: nasse Kleidung, Achtung, Stockflecken-Gefahr. Inzwischen sei alles gut eingespielt. 

Für Fans, die ihr WM-Trikot bis zum nächsten Turnier in Topform halten wollen, hat Weber ein paar Pflegetipps: „Die Trikots immer auf links waschen, schonend bei maximal 30 Grad, kein Weichspüler – und danach am besten auf einem Bügel aufgehängt trocknen lassen, aber niemals unter direkter Sonneneinstrahlung.“

DFB-Spielbekleidung für den Spieltag vorbereitet
Vor dem Anpfiff: Sortiert und gefaltet liegt die Teamwäsche in der Kabine bereit (Quelle: DFB/Philipp Reinhard)
DFB-Umkleidekabine mit vorbereiteten Spielertrikots
Einlaufbereite Trikots warten in der Kabine auf die Spieler der Nationalelf (Quelle: DFB/Philipp Reinhard)

Bardusch GmbH & Co. KG

Die Bardusch GmbH & Co. KG ist ein international tätiger Textildienstleister in Familienhand mit Hauptsitz im baden-württembergischen Ettlingen. Seit der Gründung im Jahr 1871 bietet das Unternehmen professionelles Textil- und Hygienemanagement im Full-Service-Leasing an. Bardusch versorgt Betriebe aus Industrie, Handwerk, Hotellerie, Gesundheitswesen, Pflege und Pharma mit Berufs- und Schutzkleidung sowie Flach- und Stationswäsche. Das Unternehmen unterhält mehr als 20 Standorte in Deutschland sowie weiteren EU-Ländern und verfügt über einen eigenen Logistikfuhrpark.

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