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Kernkraftwerk mit Kühltürmen in Landschaft

Eine Kernkraftwerkswäscherei folgt eigenen Gesetzen

02.02.2026

In der Kernkraftwerkswäscherei hat Risikominimierung für Mensch und Umwelt Priorität. Für die Hersteller der Wäschereimaschinen bedeutet das: Wärmeerzeugung mit Strom, strikte Reinigung von allem, was mit „Ab“ beginnt und strahlenschutzgeschultes Personal.

Lesedauer: 4 Minuten

Wärmeenergie ist das A und O einer Wäscherei. Sie wird zum Aufheizen der Waschwässer, zum Trocken, Mangeln und Bügeln der Textilien gebraucht. Die dafür benötigte Hitze wird – je nach Konzept des Betriebs – dezentral in Dampfkesseln oder in zentral an den Maschinen installierten Gasbrennern erzeugt. Das ist der Standard. Es gibt aber auch Textilpflegebetriebe, in denen Gas und Dampf als Energiequelle nicht oder nur unter Vorbehalt in Frage kommen. Dies gilt beispielsweise für Wäschereien in Kernkraftwerken. „Gasfeuerungen bedeuten für einen Nuklearmeiler ein Brand- bzw. Explosionsrisiko, weshalb sie an eine zusätzliche, komplexe Sicherheits- und Genehmigungsebene gekoppelt sind. Auch gasführende Leitungen können ein Sicherheitsrisiko darstellen und sind in sensiblen Bereichen eines Kernkraftwerks schlichtweg unerwünscht“, weiß Sebastian Hatz, Vertriebsleiter DACH bei Gottlob Stahl Wäschereimaschinenbau (Sindelfingen). „Dampf bringt wiederum andere Probleme mit sich. Wenn er in einem Kernreaktor erzeugt wird, kann er radiologisch klassifiziert sein und darf in keinem Fall für Wäschereianwendungen genutzt werden. Die Prozessdampfkreisläufe müssen dann aufwendig voneinander getrennt werden, was mancher Betreiber vermeidet. Aus diesem Grund kann es vorkommen, dass Dampf nicht in allen Bereichen des Kraftwerks – auch nicht in der Wäschereim - zur Verfügung steht. Um die mit Dampf und Gas verbundenen Schwierigkeiten zu umgehen, sind die Wäschereimaschinen daher üblicherweise elektrisch beheizt.“ Dieses Vorgehen hat mehrere Vorteile: Da der Strom in einem Atommeiler direkt vor Ort produziert wird, steht er in ausreichender Menge zur Verfügung. „Außerdem ermöglicht die elektrische Beheizung der Waschmaschinen und Trockner eine sehr genaue Temperaturkontrolle und -regelung. Vor allem aber kann bei einem Störfall sofort reagiert und die Energieversorgung schnell abgeschaltet werden“, ergänzt Sebastian Hatz. 

Kreislaufführung der besonderen Art

Sicherheit ist der alles entscheidende Faktor in einer Nuklearanlage, weshalb weitere Vorschriften für die versorgungstechnischen Systeme für den Betrieb einer eigenen Wäscherei zu berücksichtigen sind. Da die aufzubereitenden Textilien (Berufs- und Schutzkleidung, Wischbezüge) mit radioaktiven Partikeln kontaminiert sein könnten, ist alles, was mit der Vorsilbe „Ab“ beginnt, gesondert zu behandeln. „Das Abwasser aus den Waschmaschinen muss aufgefangen und in einer Zisterne gesammelt werden. Anschließend wird es verdampft, der entstehende Dampf gefiltert und in das Reaktor-System zurückgeführt. Die verbleibenden Rückstände sind belasteter Sondermüll und kommen in einen endlagerfähigen Castor-Behälter“, erklärt Sebastian Hatz, der bei Gottlob Stahl Wäschereimaschinenbau die Einrichtung mehrerer Wäschereien in kerntechnischen Anlagen begleitet hat. „Auch die Abluft kann nicht einfach abgeführt werden – sie wird mit mechanischen Filtern gereinigt, um die möglicherweise in Staub und Aerosolen gebundenen radioaktiven Stoffe so weit wie möglich zu entfernen. Erst danach kann sie über das Abluftsystem nach draußen geleitet werden. Abgefilterte Reststoffe sind ebenfalls als radioaktiv belasteter Sondermüll zu behandeln.“

Kontaminierte Textilien bleiben im Meiler

Radioaktive Partikel auf verflochtenen Textilfasern

Angesichts der besonderen Rahmenbedingungen, die für eine Wäscherei in einer nuklearen Anlage gelten, stellt sich die Frage, warum Textilien dort überhaupt gewaschen und nicht einfach an einen externen Dienstleister vergeben werden. Immerhin wird sogenannte inaktive Wäsche wie Frottiertücher in der Schweiz auswärts gewaschen. Diese Möglichkeit entfällt allerdings, sobald Textilien wie Beruf- und Schutzkleidung oder Wischbezüge aus der Unterhaltsreinigung durch radioaktive Partikel der Stoffe kontaminiert sein könnten. Da diese hochenergetischen Partikel erhebliche Risiken für Beschäftigte und Umwelt bergen, darf die Ware das Werk nicht verlassen und die Aufbereitung muss durch den Arbeitgeber organisiert werden. Die Wäschepflege erfolgt daher in betriebseigenen Wäschereien, in denen die notwendigen Schutzvorkehrungen vorhanden sind, spezielle Dekontaminationsverfahren durch Schwarz-Weiß-Trennung und Einsatz besonderer Waschmittel angewendet und die Gefahrstoffe sicher entsorgt werden. Auf diese Weise werden Strahlenschutz, Arbeitsschutz und Betriebssicherheit gewährleistet. 

Partikelvermeidung durch ausgewählte Prozesse

Wie in einer normalen Wäscherei bemisst sich der Maschinenpark in einem Atommeiler nach der Anzahl der Beschäftigten, dem Wechselturnus der Bekleidung, der dem Personal zur Verfügung stehenden Ausstattung, den Hygiene- bzw. Dekontaminationsanforderungen, dem Rhythmus der Unterhaltsreinigung und der Nutzungsintensität der eingesetzten Textilien. Abgesehen von einem meist überschaubaren Wäschevolumen sind beide Betriebstypen also durchaus vergleichbar. Bei der Maschinenauswahl empfiehlt Sebastian Hatz jedoch Waschmaschinen, die eine Trennung der unreinen von der reinen Seite ermöglichen. „Wichtig ist zudem, dass die Geräte glatt verarbeitete Oberflächen haben, um das Risiko von Kontaminationsansammlungen zu minimieren. Für das Trocknen der in einem Nuklearmeiler zum Einsatz kommenden Mehrweg-Schutzkleidung raten wir zudem zu einem Trockenschrank, den wir in zwei Größen anbieten. Ein Trockenschrank arbeitet ohne mechanische Einwirkung, was die Bildung von Flusen und den Austrag von staubgebundenen Partikeln in die Umgebungsluft minimiert. Wird die Arbeits- und Schutzkleidung hingegen in einem Tumbler getrocknet, stellen wir in der Maschine geeignete Programme ein, um unnötige Materialalterung oder Brandgefahr durch Überhitzung zu vermeiden.“

Besondere Sicherheitsvorkehrungen für das Personal

Obwohl professionelle Wäschereimaschinen sehr langlebig sind, halten sie nicht ewig und müssen bei Bedarf repariert oder ersetzt werden. Ein Monteur darf dafür aber nicht einfach in ein Kernkraftwerk hineinspazieren, um die Arbeiten auszuführen. Sebastian Hatz erläutert die notwenigen Maßnahmen: „Nur autorisiertes, strahlenschutzgeschultes Personal erhält Zugang zu den entsprechenden Bereichen. Dazu erhalten unsere Monteure umfassende Strahlenschutzunterweisungen und verfügen über einen Strahlenschutzausweis. Außerdem holen wir immer Informationen über die Strahlenschutzorganisation des Kraftwerks ein, die für unser Personal verbindlich ist. Dazu gehören beispielsweise Zutrittskontrolle, das Tragen eines Dosimeters und persönliche Schutzausrüstung, vorgegebene Aufenthaltszeiten oder die Freimessungen von radioaktiv belastetem Material. Bei der Arbeit in einem Meiler sind solche Vorkehrungen für den Gesundheitsschutz unsere Mitarbeiter ein Muss.“ Und wer denkt, dass mit dem Ausstieg von Staaten wie Deutschland aus der Atomenergie bald keine Wäscherei in Nuklearanlagen gebraucht werden, irrt. Die Meiler werden zurückgebaut – und das dauert im Schnitt zehn bis zwölf Jahre. Bis dahin wird dort der Betrieb der Wäscherei weitergehen. 

Sebastian Hatz

Sebastian Hatz

Vertriebsleiter DACH

Gottlob Stahl Wäschereimaschinenbau (Sindelfingen)

Sabine Anton-Katzenbach

Sabine Anton-Katzenbach

Diplom-Textilingenieurin und freie Journalistin

Sabine Anton-Katzenbach begleitet die Textilpflege-Branche seit drei Jahrzehnten und berichtet über deren unterschiedliche Facetten.

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