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Pflegesymbole: Eine Sprache, die weltweit verstanden wird

26.10.2026

Wenn Flecken, Fett und fieser Geruch eines Kleidungsstücks eine Wäsche unaufschiebbar machen, lohnt vorab der Blick aufs Pflegeetikett. Es zeigt, wie Textilien richtig gewaschen, getrocknet oder professionell gereinigt werden. Das Konzept, das auf selbsterklärenden Symbolen beruht, ist der internationalen Organisation GINETEX zu verdanken.

Lesedauer: 6 Minuten

  • Eine gemeinsame Sprache für die Textilpflege: Die von GINETEX entwickelten Pflegesymbole vermitteln Pflegehinweise über Sprachgrenzen hinweg.
  • Klare Behandlungsgrenzen: Pflegeetiketten geben an, welche Behandlung beim Waschen, Bleichen, Trocknen, Bügeln und bei der professionellen Reinigung maximal zulässig ist.
  • Internationale Standards: Die Symbole sind in der ISO 3758 definiert und werden durch die Technische Richtlinie von GINETEX ergänzt.
  • Unterschiedliche nationale Vorgaben: Die Pflegekennzeichnung ist je nach Land freiwillig oder verpflichtend. Für die Nutzung der GINETEX-Symbole sind entsprechende Nutzungsrechte erforderlich.
  • Verantwortung der Unternehmen: Bekleidungs- und Textilunternehmen sind für die korrekte Pflegekennzeichnung ihrer Produkte verantwortlich.
  • Neue Symbole brauchen Zeit: Neue Pflegeverfahren müssen zunächst anhand technischer Normen bewertet werden. Erst danach wird entschieden, ob ein bestehendes Symbol passt oder ein neues erforderlich ist.
Globus mit einem weißen Stoffband, auf dem die fünf internationalen Textilpflegesymbole für Waschen, Bleichen, Trocknen, Bügeln und professionelle Reinigung abgebildet sind

Wenn die Mayonnaise die Pommes verfehlt und auf dem Jackett landet, die Tomatensauce auf die Kochschürze spritzt oder sich ein übler Geruch in den Klamotten festbeißt, ist es höchste Zeit für die Waschmaschine. Damit die Aufbereitung aber nicht in die Hose geht, sollte man vorab einen Blick auf die Pflegekennzeichnung werfen. Das eingenähte Etikett verrät, ob überhaupt und – wenn ja - bei welcher Temperatur gewaschen werden darf, ob Bleichen erlaubt ist, wie das Kleidungsstück getrocknet werden soll oder ob es möglicherweise sogar in die Hände einer professionellen Reinigung gehört. Das Besondere an den Pflegetiketten: Sie sind aufgrund ihrer einleuchtenden Symbolik überall auf der Welt und ohne viele Worte zu verstehen und werden daher in vielen Ländern der Erde angewendet. Petra Bleibohm, stellvertretende Vorsitzende von GINETEX GERMANY (Köln), erklärt, was es mit dem stilisierten Waschbottich, Bügeleisen und Co. auf sich hat.

Wer hat die Pflegesymbole erfunden und warum?

Das System ist der internationalen GINETEX-Organisation zu verdanken, die sich im Jahr 1963 in Paris gründete. Deren Ziel war es, durch international gültige Pflegesymbole die Möglichkeit einer sprachenunabhängigen Information zur Aufbereitung von Textilien zu schaffen. Dadurch sollten Texte, die für die Verkaufsregionen eines Produkts in die jeweilige Landessprache hätten übersetzt werden müssen, vermieden werden. Das Vorhaben gelang. GINETEX entwickelte nach und nach Symbole für die einzelnen Pflegeprozesse, registrierte diese weltweit und sorgt dafür, dass sie technisch immer auf dem aktuellen Stand sind. Seit ihren Anfängen haben die GINETEX-Pflegesymbole längst einen globalen Siegeszug angetreten: Viele Länder wenden sie freiwillig an oder andere haben sie sogar vorgeschrieben. Es gibt lediglich zwei Staaten mit komplett abweichenden Pflegekennzeichnungssystemen: Südkorea und die USA.

Wer verwaltet die Pflegekennzeichen?

Markeninhaberin der Pflegesymbole ist die internationale GINETEX-Organisation, der nationale GINETEX-Mitglieder in 20 sogenannten GINETEX-Ländern angehören. Deren Geschäftsstellen sind Ansprechpartner in den jeweiligen Staaten; sie informieren Produzenten, Handel, Verkaufspersonal sowie Verbraucher über eine korrekte und zeitgemäße Pflegekennzeichnung von Textilien. Zudem sind sie Anlaufstellen zur Beantwortung von Fragen ihrer Mitglieder, interessierter Firmen oder Verbraucher. Darüber hinaus kontrollieren sie, ob Unternehmen Nutzungsrechte für die Symbole haben und sorgen dafür, dass GINETEX Vorgaben eingehalten werden.

Wie ist die Nutzung der geschützten Pflegesymbole geregelt?

Die Etikettierung mit Anleitung zur Pflege von Textilerzeugnissen ist durch internationale Vereinbarungen im Rahmen der GINETEX geregelt. Dafür hat GINETEX eine Technische Richtlinie erstellt; außerdem sind die Symbole Bestandteil der internationalen Norm EN ISO 3758 “Textilien –Pflegekennzeichnungs-Code mit Symbolen“. Das heißt konkret, dass einheitliche Vorschriften für die Verwendung dieser Symbole festgelegt wurden.

Sind die Pflegesymbole rechtsverbindlich?

Das ist national unterschiedlich. Die Pflegekennzeichnung ist in Deutschland – und auch in anderen EU- und GINETEX-Ländern – freiwillig. Werden allerdings die GINETEX-Pflegesymbole verwendet, muss man das Recht zur Nutzung der markenrechtlich geschützten Symbole haben und die Pflegekennzeichnung muss den Vorgaben in der Technischen Richtlinie von GINETEX entsprechen. Viele Länder haben die Pflegesymbole auch gesetzlich zum Verbraucherschutz verankert, so z. B. Österreich.

Wie ist es gelungen, einheitliche Pflegesymbole international zu etablieren?

Ein wichtiger Faktor ist die GINETEX-Organisation, der sich immer mehr Länder anschließen. So ist beispielsweise Japan im Jahr 2016 GINETEX-Land geworden. Japan hatte vorher ein komplett anderes Pflegekennzeichnungssystem.

Zum internationalen Siegeszug einer einheitlichen Textilpflegekennzeichnung hat natürlich auch die geltende ISO-Norm 3758 “Textilien –Pflegekennzeichnungs-Code mit Symbolen“ beigetragen, die weltweit gilt.

Es gibt immer mal wieder neue Pflegeverfahren, die mit bestehenden Pflegesymbolen nicht abgedeckt werden können. Man denke beispielsweise an die Nasswäsche oder Chemisch Reinigung in modernen Lösungsmitteln. Wer bestimmt, dass es für solche Verfahren neue Pflegekennzeichen geben soll? Wie läuft das Aufnahmeverfahren für ein neues Pflegesymbol ab?

Die Pflegesymbole sind technische Symbole, das heißt, sie sind durch dahinterliegende technische Normen definiert. Wenn ein neues Lösemittel bei GINETEX aufgenommen werden soll, dann muss dieses erst in einer Norm untersucht und eingeordnet werden. Danach wird entschieden, ob es zu einem vorhandenen Pflegesymbol passt oder ob man sogar ein neues schaffen müsste. Das ist ein langwieriger Vorgang und die Zuordnung zu einem Pflegesymbol steht ganz am Ende dieses Prozesses.

Wie erfolgt der Transfer eines neuen Pflegekennzeichens in die Textilpflegebranche? Wie erfahren die Wäschereien und Chemisch Reinigungen, wie eine Ware mit einem neuen Pflegesymbol gepflegt werden muss?

GINETEX informiert die Bekleidungs- und Textilbranche über Neuigkeiten. Es ist ein Schneeballsystem. Von vielen Akteuren - auch der Presse – werden solche Neuigkeiten gerne aufgegriffen und weiter verbreitet. Auch Textilreinigerverbände sind GINETEX angeschlossen und informieren ihre Mitglieder direkt.

Die Prozesse der Textilreinigung sind in Normen festgelegt. Dadurch erhalten Textilreiniger die Informationen, was die jeweiligen Pflegesymbole bedeuten und wie die Wäsche aufzubereiten ist. Da es die Pflegesymbole schon sehr lange gibt, können die Textilreiniger aber ohnehin aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen.

Wer ist für die Auszeichnung von Textilien mit einer Pflegekennzeichnung zuständig?

Die Bekleidungs- und Textilunternehmen, die die Produkte mit der Pflegekennzeichnung versehen und verkaufen, sind für deren korrekte Auszeichnung verantwortlich. Sie haben das Bekleidungsstück kreiert, kennen alle Bestandteile und wissen, wie man es pflegen muss. Auf dem Etikett machen sie dann Angaben über die maximal zulässigen Behandlungsarten. Bei Einhaltung der entsprechenden Pflegebehandlung ist also gewährleistet, dass ein Textilerzeugnis in der Pflege keinen Schaden nimmt.

Wie sind Textilien und Bekleidung, die ausschließlich für die Vermietung durch Textilservice-Unternehmen vorgesehen sind, zu labeln? Brauchen solche Waren zwingend eine Textilpflegekennzeichnung?

In den gesetzlichen Anforderungen gibt es hier keine Unterschiede zu Alltagsbekleidung. Es gibt Länder, in denen die Pflegekennzeichnung vorgeschrieben ist, in anderen nicht. In der Praxis hat es sich aber etabliert, die Pflegekennzeichnung anzubringen. Bei Mietwäsche gibt es zudem in der Regel vertragliche Vereinbarungen zwischen den Parteien, in denen auch geregelt sein dürfte, ob eine Pflegekennzeichnung angegeben werden muss.

Erwarten Sie in näherer Zukunft ein neues Pflegekennzeichen – etwa für die Reinigung in überkritischem oder flüssigem Kohlendioxid?

Nein, derzeit sind hier keine Änderungen absehbar. Aber man weiß ja nie…

Sabine Anton-Katzenbach

Sabine Anton-Katzenbach

Diplom-Textilingenieurin und freie Journalistin

Sabine Anton-Katzenbach begleitet die Textilpflege-Branche seit drei Jahrzehnten und berichtet über deren unterschiedliche Facetten.

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