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Das Wichtigste in Kürze
- Abwasser aus industriellen Wäschereien enthält Mikrofasern, Mikroplastik und weitere Rückstände.
- Studien zeigen, dass einzelne Wäschereien einen erheblichen Anteil der Mikroplastikfracht einer Kläranlage verursachen können.
- Filter und Membranen können Mikrofasern bereits heute zurückhalten. Dabei entsteht jedoch ein konzentrierter Rückstand, der weiterbehandelt werden muss.
- Das EU-Projekt REWASH erforscht, wie Mikroplastik abgebaut und in biobasierte Chemikalien und bioaktive Verbindungen umgewandelt werden kann.
- Ein industrieller Verwertungsweg ist noch nicht belegt: REWASH entwickelt zunächst einen Prototyp für die Validierung im Labor oder in kontrollierter Umgebung.
Was bisher vor allem als Belastung für Gewässer und Kläranlagen galt, könnte künftig eine neue Bedeutung bekommen: als Rohstoffquelle. Einige Filtrationstechnologien halten Mikrofasern bereits heute zurück. Projekte wie REWASH erforschen, wie sich Mikroplastik in wertvolle Ausgangsstoffe umwandeln lässt. Das ist Waste to Value.
Beginn in der Großwäscherei
Ein alltäglicher Vorgang im industriellen Maßstab: Wäsche sortieren, waschen, spülen und für den Einsatz vorbereiten. Ob in Wäschereien für die Gastronomie, Hotels oder Krankenhäusern, alle laufen im Schichtbetrieb. Doch oft sieht man nur die saubere Wäsche die zurückbleibt und nicht die erheblichen Mengen belasteten Wassers. In diesem befinden sich Waschmittel, Fette, Schmutzpartikel sowie Fasern, die sich während des Waschvorgangs aus den Textilien herauslösen. Neben den natürlichen Fasern wie Baumwolle oder Wolle, finden sich außerdem synthetische wie Polyester und Polyamid. Diese gelangen als Mikroplastik in den Wasserkreislauf.
Doch was bisher vor allem als Belastung für Gewässer und Kläranlagen angesehen wurde, könnte zukünftig eine ganz neue Bedeutung bekommen, nämlich als Rohstoffquelle.
Die unsichtbare Fracht: Was steckt wirklich drin?
Das tatsächliche Ausmaß des Problems zeigen Untersuchungen aus industriellen Wäschereien. Eine Studie aus dem Jahr 2025 aus Kopenhagen, Dänemark analysiert das Abwasser einer Krankenhauswäscherei. Gefunden wurden 1,4 Millionen Mikroplastikpartikel pro Liter. Der Befund war bemerkenswert, kann jedoch nicht generalisiert werden, da sich Textilien, Verfahren, Wasserverbrauch als auch die Art der Probeentnahme unterscheiden. Eine niederländische Untersuchung (2025) verdeutlicht die erhebliche Bedeutung einzelner Wäschereien. Nach Berechnung der Studie waren 13 Prozent der gesamten Mikroplastikfracht, die in eine Kläranlage gelangte, von einer einzigen industriellen Textilwäscherei. Obwohl hierbei mindestens 99,8 Prozent der erfassten Fasern und Partikel über 50 Mikrometern entfernt werden können, kann die restliche Konzentration aufgrund der enormen Wassermengen zu erheblichen Partikelzahlen führen.
Der Reality-Check: Was funktioniert heute bereits?
Mechanische Filter und Membranen können bereits heute Mikrofasern abtrennen. Trommelfilter halten schon größere Partikel zurück und Mikro- und Ultrafiltration nutzen Membranen, um auch kleinere Bestandteile aus dem Wasser zu entfernen.
Im Jahr 2026 untersuchte ein Forschungsteam die keramische Mikrofiltration im Rahmen eines Pilotversuchs. Es konnten kontinuierlich über 97 Prozent der nachgewiesenen Mikroplastikfasern entfernt werden. Hierbei wurde von den Forscher*Innen in Folge auch die Wasserqualität geprüft, um zu sehen, ob eine mögliche Wiederverwendung realistisch wäre.
Filtration bedeutet zunächst nur Trennung. Es verschwindet nichts, sondern wird als konzentrierter Rückstand gesammelt, der darauf wartet, entsorgt oder weiterverarbeitet zu werden. Membranen verlieren jedoch durch Ablagerungen mit der Zeit an Leistung und müssen regelmäßig gereinigt werden. An dieser Stelle gewinnen chemische, biologische, oxidative und photokatalytische Verfahren an Bedeutung.
Welche Kombination für Wäschereien hier tatsächlich am sinnvollsten ist, hängt vom Abwasser und dem erzielten Ergebnis ab und hier kommen Projekte wie beispielsweise REWASH ins Spiel.
REWASH: Vom Schadstoff zum Wertstoff
Die Europäische Union fördert das Projekt mit rund 3,38 Millionen Euro. Die vier Partner aus Spanien, Slowenien und Portugal arbeiten an der Entwicklung eines modularen Systems, welches Mikroplastik und Mikrofasern nicht nur entfernen, sondern aus ihren einzelnen Bestandteilen in hochwertige Produkte überführen soll. Es startete am 01. Oktober 2026.
Das Forschungskonzept besteht aus der Kombination mehrerer Schritte. Als Erstes werden photoelektrochemische Verfahren (PEC) angewandt, um die Mikroplastikpartikel und -fasern abzubauen. Anschließend kommen speziell entwickelte bakterielle Gemeinschaften (SynComs) ins Spiel und wandeln das entstandene Produkt in biobasierte Chemikalien und bioaktive Verbindungen um. Ergänzend dazu wird ein bioelektrischochemisches System (BES) integriert das die verbleibenden Stoffe aus dem Abwasser entfernen soll und somit in Folge zur Wasserreinigung als auch Nährstoffrückgewinnung beiträgt.
Die offizielle Projektbeschreibung nennt keine spezifischen Moleküle, chemischen Formeln oder Produktnamen. Daher ist nicht belegt, welche bestimmten Stoffe REWASH herstellen will.
Das ist ein Ansatz, der sich vom klassischen Textilrecycling unterscheidet. Ziel ist nicht aus einer alten Faser direkt eine Neue zu machen, sondern ihre chemischen Bestandteile in andere Produkte zu überführen. Es wird nicht primär das Material der Faser erhalten, sondern ihre chemische Ausgangsstruktur genutzt.
Bisher ist das ein Ziel und kein industrieller Beweis für einen funktionierenden Verwertungsweg. Das Projekt läuft bis September 2030. In dieser Zeit plant REWASH einen funktionsfähigen Prototypen auf Technologiereifegrad TRL 4 zu entwickeln. Das bedeutet eine Validierung im Labor oder in einer kontrollierten Umgebung. Sollte dies gelingen so könnte dies für alle Industriewäschereien in Zukunft sehr relevant werden.
Wann wird Abwasser zum Rohstoff?
Ob das Waste to Value Konzept erfolgreich ist und Abwasser zum Rohstoffstrom wird, entscheidet nicht nur die Abbauleistung. Es muss geklärt werden welche Abbauprodukte entstehen und ob man sie zuverlässig umwandeln kann. Die Technik muss mit realem Abwasser zurechtkommen und da ändert sich die Zusammensetzung mit jedem Waschgang. Hinzu kommen Energie- und Chemikalienverbrauch, Aufwand und Kostenfragen. Ebenso die Umweltbilanz muss stimmen: Eine hohe Entfernungsrate von Mikroplastik kann nicht überzeugen, wenn dafür unverhältnismäßig viel Energie aufgewendet wird oder sogar problematische Nebenprodukte entstehen. Erst wenn die Qualität bestimmt ist, eine sichere Verwendung ermöglicht und es einen Abnehmer gibt, wird ein einfacher Stoff zum Rohstoff. Für die Textilpflegebranche markieren solche Projekte einen möglichen Perspektivwechsel: Aus einem Abwasserproblem könnte eine Rohstoffquelle werden – und aus einer Umweltbelastung ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.