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Das Wichtigste in Kürze
- Objekttextilien müssen hohe Anforderungen an Langlebigkeit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit erfüllen.
- Materialentwicklung und technische Innovationen spielen eine wichtige Rolle für effiziente Wäschereiprozesse.
- Der Einsatz von recycelten und alternativen Fasern soll den Ressourcenverbrauch reduzieren.
- Neue Garn- und Färbetechnologien können die Leistungsfähigkeit von Textilien erhöhen und Abläufe in Wäschereien vereinfachen.
- Wiederverwendung, Recycling und zirkuläre Konzepte gewinnen in der Textilbranche zunehmend an Bedeutung.
Langlebig, belastbar, zeitlos, nachhaltig und möglichst zirkulär – so liest sich der Anforderungskatalog von Beirholms Væverier (Kolding, Dänemark) an industriewäschetaugliche Tisch-, Bett- und Frottierwäsche. Bei der Entwicklung von Qualitäten, die Textilservice-Unternehmen bedenkenlos an Gastronomie und Hotellerie, den Wellness-Sektor und dem Gesundheitswesen liefern können, müssen alle diese Faktoren erfüllt sein. Für eine praxistaugliche Sortimentsgestaltung unterteilt das Unternehmen seine Produktentwicklung daher in zwei Bereiche: Performance Textiles und Performance Technology. Im Interview erläutert Andreas Beirholm, was sich hinter dem Konzept verbirgt und welche Vorteile es für industrielle Wäschereien hat.
Worin liegt der Unterschied zwischen textilen und technologischen Innovationen?
Andreas Beirholm: Bei einer textilen Innovation geht es um das Produkt selbst. Hier spielen Aspekte wie Materialien, Design und Farben eine wichtige Rolle. Wenn wir hingegen von Performance Technology sprechen, geht es um die Einführung von technischen Produktionsprozessen, mit denen die Leistungsfähigkeit unserer Textilien gesteigert werden kann und damit zu einem besseren Kosten-Nutzen-Verhältnis in der Wäscherei beitragen.
Welche Herausforderungen bringen textile Innovationen mit sich?
Andreas Beirholm: Zuallererst müssen leasinggeeignete Objekttextilien über viele Zyklen den hohen Beanspruchungen in der Wäsche, beim Trocknen und Mangeln standhalten. Sie sollen ihr Flächengewicht und ihre Farbe behalten, sollen maßstabil sein und dürfen sich nicht verziehen. Gleichzeitig geht es in der Produktentwicklung darum, aktuelle Trends aufzugreifen. Derzeit beobachten wir beispielsweise die Rückkehr farbiger Textilien ins Hotelzimmer. Allerdings gibt es regionale Unterschiede: So sind in Skandinavien Beigetöne, in der DACH-Region graue Töne gefragt. Wir müssen also darauf achten, dass sowohl die Designs als auch die Farben zeitlos sind und möglichst allen Kund*innen gefallen. Wichtig ist dabei zudem, dass neue Artikel mit bereits bestehenden Linien harmonieren, denn unser Sortiment folgt einem dem LEGO-Baukastensystem vergleichbaren Konzept. Ein weiterer Aspekt ist der Kollektionsumfang in den einzelnen Segmenten. Tischwäsche ist hierfür ein gutes Beispiel: In Ländern, die südlich des Bodensees liegen, sind Tischdecken ein absolutes Muss. In Deutschland, unserem größten Markt, machen textile Mundservietten das Rennen.
Die größte Herausforderung für unser Design-Team ist daher, dass es einen „globalen“ Geschmack treffen muss, um die durchaus unterschiedlichen Designwünsche einzelner europäischer Regionen miteinander zu vereinbaren.
Welche Rolle spielen Nachhaltigkeitskriterien bei der Entwicklung von Performance Textiles?
Andreas Beirholm: Nachhaltigkeit ist einer der wichtigsten Treiber unserer textilen und unserer technologischen Produktentwicklungen, denn beiden liegt ein gemeinsames Ziel zugrunde: Wir wollen Wäschereien besonders leistungsfähige und ressourcenschonende Produkte für eine optimale Textilinvestition bieten.
Welche Aspekte beeinflussen in Ihrem Unternehmen eine nachhaltige textile Produktentwicklung?
Andreas Beirholm: Eine verantwortungsvolle Lieferkette ist für uns eine Grundvoraussetzung. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit wenigen, vollstufig aufgestellten, zertifizierten Produzent*innen zusammen. Sie decken die komplette Fertigungskette - von der Garnherstellung bis zur Färberei und Konfektion – ab. Dadurch ist eine hohe Transparenz gewährleistet, die zugleich die Umsetzung und Überprüfung unserer ökologischen und sozialen Anforderungen ermöglicht.
Zum anderen suchen wir nach Möglichkeiten, die einer Wäscherei ökonomische und ökologische Vorteile bieten. So haben wir das Flächengewicht unserer Bettlaken und -bezüge so weit angepasst, dass unsere Kund*innen mit jeder Maschinenladung mehr Artikel bearbeiten können. Dadurch werden Betriebe leistungsfähiger und sparen zusätzlich Ressourcen. Auch für das energiesparende Niedrigtemperaturmangeln haben wir eine Lösung entwickelt: Selbst bei geringerer Hitze überzeugen unsere Textilien durch ein optimales Glättebild.
Können Sie die ökologische und ökonomische Effizienz einer Wäscherei auch durch die Wahl der Fasermaterialien beeinflussen?
Andreas Beirholm: Ja, selbstverständlich. Die von uns seit vielen Jahren eingesetzten Mischgewebe aus Polyester und Baumwolle ermöglichen aufgrund einer geringeren Feuchtigkeitsaufnahme eine ressourcenschonende Aufbereitung, was wiederum die Prozesskosten in einem Betrieb senkt. Außerdem sind sie sehr langlebig, was für eine Wäscherei eine gute Textilinvestition bedeutet. Allerdings tragen sowohl Polyester als auch Baumwolle zum Klimafußabdruck eines Textils bei. Zur Verringerung der bei der Synthesefaserproduktion freigesetzten Kohlendioxid-Emissionen (CO2) haben wir bereits vor sechs Jahren begonnen, fabrikneues (virgin) Polyester durch recyceltes zu ersetzen. Anfangs konnten wir nur farbige Textilien umstellen, da recyceltes Polyester (rPET) keinen ausreichend hohen Weißgrad hatte. Inzwischen hat das Produktentwicklungsteam bei Beirholm dieses Problem weitgehend behoben und unser komplettes Mischgewebe-Sortiment enthält die umweltfreundlichere Faser.
Es gibt immer wieder Berichte, dass Polyester mehr Mikroplastik freisetzt…
Andreas Beirholm: Das ist uns bewusst. Wir versuchen daher, erste Produkte mit degradierbaren Polyesterfasern zu entwickeln. Diese basieren auf einer Technologie, bei der ein von der Natur inspirierter Zusatzstoff in die Faser inkorporiert wird und dafür sorgt, dass Polyester durch Mikroorganismen biologisch abgebaut werden kann.
Wie bewerten Sie Baumwolle im Hinblick auf nachhaltige Textillösungen?
Andreas Beirholm: Der Baumwollanbau ist wasser- und pestizidintensiv, weshalb wir schon lange nach Alternativen suchen. Aktuell testen wir für den skandinavischen Wäschereimarkt, auf dem das Umweltbewusstsein stark ausgeprägt ist, Servietten aus einem -rPET-Mischgewebe. Wir haben uns für Hanf entschieden, weil die Pflanze genügsam ist, kaum Wasser oder Pestizide benötigt und bei einem unserer Lieferanten verarbeitet werden kann. Uns ist aber auch bewusst, dass der Import bzw. Export von Hanf zwischen verschiedenen Ländern herausfordernd ist und daher Auswirkungen auf die Lieferkette hat.
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Kommen wir einmal zu Ihrem Konzept der Performance Technology. Können Sie Beispiele nennen, mit welchen neuen Technologien Ihre Textilqualitäten zur Prozessoptimierung bei Ihren Kund*innen beitragen?
Andreas Beirholm: Eine bereits länger zurückliegende Innovation sind unsere BeirTex-Garne. Dabei handelt es sich um eine für ihre Langlebigkeit bekannte Mischung aus Baumwolle und Polyester, aber mit einer speziellen Konstruktion: Im Kern liegen die Synthesefasern, außen die Naturfasern. Die aus diesen Garnen gefertigten Textilien geben das Gefühl reiner Baumwolle und haben dabei die ökologischen und ökonomischen Vorteile eines Mischgewebes. Diese Technologie ist bei unseren Kund*innen so beliebt, dass wir sie mit unserem Lieferanten weiterentwickelt und die „Version 2.0“ zum Patent angemeldet haben.
Eine weitere Innovation, die wir auf der vergangenen Texcare in Frankfurt vorgestellt haben, ist unsere Pixel-Technologie für farbige Frottierwäsche. Bunte Tücher sind im Gesundheitswesen, in Pflegeeinrichtungen und dem Spa- und Wellness-Sektor beliebt. Diese müssen bei Eintreffen der Ware in einer Wäscherei nach Farben sortiert werden, weil es im Waschprozess zum Ausbluten von Farbstoffen kommen kann. Die Pixel-Technologie setzt diesem Problem ein Ende: Weil wir einen besonderen Farbstoff einsetzen, bleibt die Farbe im Textil. Aufgrund dieser Echtheit besteht die Farbe über viele Waschzyklen. Ein weiterer Vorteil ist, dass auch verschiedene Farben zusammen gewaschen werden können, was die Sortierung deutlich vereinfacht und für volle Maschinenladungen sorgt.
Mit der Textilstrategie der Europäischen Kommission steht die Textilindustrie vor einem massiven Umbau. Aus einem linearen Modell soll ein zirkuläres werden. Wie gehen Sie mit dieser Anforderung um?
Andreas Beirholm: Unsere vorrangige Lösung heißt Remanufacturing. Wir übernehmen die von unseren Kund*innen aus dem Textilkreislauf aussortierten großflächigen Wäschestücke und lassen bei einem unserer Lieferanten neue Produkte, z.B. Hemden oder Tragetaschen daraus fertigen. In dieser Wiederbelebung sehen wir den größten ökologischen und ökonomischen Nutzen, weil wir die bereits existierenden Textilien einfach weiterverwenden. Auch für die in der Konfektion anfallenden Reste haben wir eine Lösung: Sie werden bei unserem vollstufigen Partner mechanisch recycelt und dort wiederverwendet. Im nächsten Schritt wollen wir diese Recyclingfasern in unseren Objektqualitäten einsetzen. Die Entwicklungen laufen bereits, denn wir wollen die neuen Artikel auf der nächsten Texcare präsentieren. Frankfurt ist meiner Meinung die ideale Plattform, unsere jüngsten Innovationen einem internationalen Fachpublikum vorzustellen.